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Die Gut-Burger

Von: Lesezeit: 3 Minuten
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Nachhaltige Gastronomie ist das Gebot der Stunde. In den letzten Jahren wurde überdeutlich, dass jede Branche, ja, jeder Einzelne seinen Beitrag leisten muss, wenn die Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015 erreicht werden sollen.

Dass sich dabei ausgerechnet ein Burger-Restaurant hervortut, macht neugierig. Schließlich sind Fast-Food-Restaurants kein klassischer Tummelplatz für Naturfreunde. Mit diesem Vorurteil wollen ein paar Schweden nun aber aufräumen. Denn in Skandinavien nimmt man den Auftrag, das ökologische Gleichgewicht für nachfolgende Generationen zu erhalten, überaus ernst. Die schwedische Kette Max Burgers hat das Kunststück vollbracht, ein Convenience-Food-Menü zu entwickeln, das nicht nur klimaneutral ist, sondern den CO2-Gehalt in der Luft sogar positiv beeinflussen soll. Max Burgers betreiben 150 Restaurants in Skandinavien, Polen und Ägypten – damit ist der Beitrag, den das Team um CEO Richard Bergfors da leistet, durchaus beachtlich. „Wenn wir das Zwei-Grad-Klimaziel erreichen wollen, reicht es nicht, klimaneutral zu wirtschaften“, unterstrich der 43-jährige Sohn des Firmengründers und Working Chairman Curt Bergfors, als im Juni 2018 das klimapositive Menü eingeführt wurde. „Wir wissen, dass wir Teil des Problems sind. Zukünftig wollen wir auch Teil der Lösung sein.“

Nachhaltiges Restaurant

Richard Bergfors / Image: MAX Burgers

Dank seiner sogenannten klimapositiven Gerichte hofft Bergfors, der die Systemgastronomie gemeinsam mit seinem Bruder Christoffer betreibt, Umweltschäden rückgängig zu machen, die die Kette in früheren Jahren womöglich selbst mitverantwortet hat. Wie das geht? Max Burgers pflanzt eine große Anzahl von Bäumen, die insgesamt mehr CO2 eliminieren, als das Unternehmen ausstößt. Seit 2008 mehr als 2 Millionen. Um dem gefährlichen Kohlendioxid zu Leibe zu rücken, fanden die Schweden mehrere Ansatzpunkte. Am Anfang stand die Erfassung des Stauts quo. „Wir messen alle Emissionen, die unsere Produkte verursachen. Inklusive der Anfahrt der Gäste und des Personals, des CO2-Footprints der Zutaten auf ihrem Weg vom Zulieferer zum Restaurant und des Mülls, den jeder Gast erzeugt. Diese Menge an Kohlendioxid gleichen wir durch Wiederaufforstungen um 110 Prozent aus, sprich, wir übertreffen den ISO 14021, den einzigen unabhängigen Standard für Klimaneutralität“, berichtet Richard Bergfors nicht ohne Stolz.

Doch das ist nur der Anfang: „Uns ist klar geworden, dass wir vor allem eines tun können, um unsere Klimabilanz zu verbessern: dafür sorgen, dass unsere grünen Burger genauso gut schmecken wie die klassische Beef-Variante.“ Seit gut drei Jahren stehen die ‚Green Family Burger‘, die entweder in veganer oder als lacto-ovo Ausführung über den Tresen wandern, auf der Karte. Mit durchschlagendem Erfolg. Jonas Mårtensson, Head Chef bei Max, ist von der Nachfrage begeistert: „In den letzten drei Jahren haben wir eine 1000-prozentige Steigerung in diesem Bereich.“ Das Resultat: Max konnte seinen Klimaeinfluss zwischen 2015 und 2018 um 20 Prozent pro verdientem Dollar senken. Man glaubt jedoch, dass noch Luft nach oben ist. Bis 2022 soll jedes zweite Gericht ohne Rindfleisch auskommen. Man hätte dann den CO2-Ausstoß innerhalb von sieben Jahren um 30 Prozent reduziert.

Nachhaltige Gastronomie

Green Family / Image: MAX Burgers

„Unsere Hoffnung ist, dass wir auch andere Unternehmen inspirieren können, klimapositiv zu wirtschaften. Wir sind überzeugt, dass die Kunden nachhaltige Produkte und Dienstleistungen bevorzugen“, erklärt CEO Bergfors ein weiteres Projekt: clipop.org – kurz für Climate Positive Planet – heißt die Web-Plattform, die Max Burgers und Mevo, eine ebenfalls klimapositive Fahrgemeinschaftsgesellschaft aus Neuseeland, zu diesem Zweck ins Leben gerufen haben. Das Ziel ist es, ein Netzwerk gleichgesinnter Unternehmer um sich zu scharen. Bis dato haben sie sich mit drei weiteren schwedischen Unternehmen zusammengetan, GodEl, Brid Content und The Department Festival. Im Dezember folgen drei weitere, die sich CLIPOP anschließen und klimapositiv werden.

Bei Max denkt man übrigens nicht erst seit gestern grün. Das Engagement der Burger-Kette, die derzeit 5500 Mitarbeiter beschäftigt, geht auf eine Zeit zurück, in der Greta Thunberg noch im Vorschulalter war. Firmengründer Curt Bergfors, der Vater von Richard und Christoffer, der als Chairman arbeitet und Haupteigentümer des Unternehmens ist, ist ein Familienmensch. „Wir denken in Generationen und wollen unseren Kindeskindern bestmögliche Voraussetzungen schaffen.“ Bereits 2008 begannen die Schweden, Bäume in Afrika zu pflanzen. Bis heute sind es 2 Millionen Stück. Eine Menge Holz. Im selben Jahr gingen Max Burgers auch dazu über, ausschließlich Windenergie zu nutzen und die CO2-Fußabdrücke für jedes Gericht zu veröffentlichen, d.h. die Klimakennzeichnung der gesamten Speisekarte.

Nachhaltige Gastronomie

Image: MAX Burgers

Die Geschichte von Max Burgers, mit dem Gründungsdatum 1968 übrigens nicht nur die älteste Fastfood-Kette in Schweden, sondern auch die größte in Europa, könnte Vorbild sein. Und das Bekenntnis zu einem verantwortungsvolleren Wirtschaften kann als klare Message an die Konkurrenz verstanden werden. Die da lautet: Es ist nie zu spät, um sich zu ändern.

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