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Snackification – Die fluide Esskultur des 21. Jahrhunderts

Von: Lesezeit: 2 Minuten
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Frühstück, Mittag- und Abendessen: der traditionelle Dreiklang hat lange Zeit den Alltag in westlichen Gesellschaften strukturiert. Während „Familie Mustermann“ als dominantes Familienmodell ein verhältnismäßig vorhersehbares Leben geführt hat, bröckelt mit den vielfältiger und mobiler werdenden Lebensstilen und Familienformen auch die starre Dreiteilung beim Essen. Ein Trend-Phänomen bahnt sich durch die individuellen Zeitfenster seinen Weg: die Snackification.

Esskulturen sind dynamisch – ändert sich die Gesellschaft ändert sich auch das Essverhalten. Wir leben gerade in einer Zeit, in der nichts so sicher ist wie der Wandel. Der Übergang vom Industrie- ins Wissenszeitalter, die digitale Taktung unserer Lebensrealität, neue Lebensmodelle und Familienstrukturen führen dazu, dass wir häufiger als früher in Bewegung sind, im „dazwischen“, an „Third Places“.
Kein Wunder, dass immer mehr Menschen ihre Mahlzeiten in diesem „dazwischen“ einnehmen – seltener zu festgelegten Zeiten, oft nicht zu Hause. Das Datenanalyse Unternehmen Nielsen hat ermittelt, dass der Betrag, der im US-amerikanischen Durchschnittshaushalt fürs „Essen gehen“ ausgegeben wurde, zwischen 2003 und 2016 um 94% gestiegen ist.
Dabei wird nicht mehr so üppig gespeist, dafür aber häufiger, gesünder und qualitativ hochwertiger.
Mehrere kleine Mahlzeiten lösen die drei Hauptmahlzeiten Frühstück, Mittag- und Abendessen ab. Es scheint fast, als würden die kleinen Mahlzeiten das Bedürfnis nach temporärer Verankerung im häufig so turbulenten Alltag stillen. Der Begriff „Snack“ bekommt dadurch eine neue Bedeutung.

Bunte Bowls stehen für die neue „Snacking-Culture“

Mit dem Wort „Snack“ assoziieren die meisten einen kleinen Happen zwischen den „Hauptmahlzeiten“ – Studentenfutter, eine Portion Obst, Schokoriegel oder ein „To-go-Wrap“ aus dem Supermarkt. Die neue Snacking-Kultur aber will mehr: mehr Inhalt, mehr Geschmack, mehr Nährstoffe. Internationale Einflüsse formen auch hier den Speiseplan und so ist der heimliche Star der „Snackification“ die Bowl. Das Trend-Gericht besticht durch Variantenreichtum, gesunde und wohlschmeckende Zutaten und nicht zuletzt durch Ästhetik auf dem Teller – bzw. in der Schüssel. Die farbenfrohen Zutaten schreien förmlich nach Lebensenergie und – freude.

Snacks verändern sich, Mahl-Zeiten verschieben sich

Ernährungsexpertin Hanni Rützler ordnet das Trendphänomen in einen nicht-linearen Gesamtkontext ein. Wie sie in ihrem Food Report 2020 schreibt, bedeutet die Zunahme von mehreren Mini-Mahlzeiten nicht, dass es bald gar keine Hauptmahlzeiten mehr geben wird.
Gerichte wie der klassische Braten würden sogar ein Revival erleben, allerdings vorwiegend in der Gastronomie. Das sei sowohl auf die kleineren Haushaltsgrößen von 1-2 Personen zurückzuführen als auch darauf, dass Fleisch seine alltägliche Rolle verliere. Auch größere Familien würden den besagten Braten dann eher zu besonderen Anlässen oder am Wochenende genießen.
Neu interpretierte Gastro-Konzepte unterstützen die Snacking-Kultur mit vielseitigen, gesunden und hochwertigen kleinen Gerichten zum Vor-Ort-Essen oder Mitnehmen. Große Restaurants, kleine Bistros, aber auch Supermärkte und Food-Trucks reagieren mit wertigen Suppen oder Ramen, Sommerrollen oder Burgern, verschiedenen Tapas oder Bowls.
Snacks verändern sich, Mahl-Zeiten verschieben sich – die Essstruktur passt sich an die moderne Lebensführung des 21. Jahrhunderts an und wird fluider.

Trendprognose

Das Konzept der „Snackification“ passt sehr gut in unseren modernen „to-go-Alltag“. In Kombination mit dem gesteigerten Gesundheitsbewusstsein und der wachsenden Genussfreude führt es tendenziell sogar zu einer achtsameren Ernährung.
In der Gastronomie und im Handel wird das Angebot von passenden Mini-Mahlzeiten künftig weiter steigen. Der Snack wandelt sich so von der „Nebenher-Mahlzeit“ zum eigentlichen Essen.
Dabei verliert das üppige dreigänge Mittags-Menü besonders stark an Bedeutung. Aufwendig gegessen wird in Zukunft immer noch gerne – dafür aber entweder am Abend, am Wochenende oder zu besonderen Anlässen.

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