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Der Rückhalt aus den Meeren

Von: Lesezeit: 4 Minuten
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Die Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln ist ein dauerhaft drängendes Problem. Gibt es Lösungen, wie sich die „Früchte der Meere“ heute ernten und zugleich diese lebenswichtigen Ressourcen für die Zukunft bewahren lassen?

Liegt die Antwort für die künftige Ernährung der stetig wachsenden, hungrigen Weltbevölkerung in unseren Ozeanen?! Das Expertengremium The Global Panel on Agriculture and Food Systems for Nutrition (GLOPAN) hat in einem kürzlich veröffentlichten Kurzdossier die Entscheidungsträger der internationalen Lebensmittelindustrie aufgefordert, im Hinblick auf eine nachhaltige, gesunde Ernährung auf Aquakultur umzustellen.

Können uns unsere Ozeane uns in Zukunft ernähren?

Image: adobestock.com , naoko

Fische und andere aquatische Nahrungsmittel zählen weltweit zu den am meisten gehandelten Lebensmitteln. Dieser Teilbereich der Landwirtschaft wächst so schnell wie kein anderer und erreicht bis 2029 weltweit eine Jahresproduktion von voraussichtlich 105 Mio. Tonnen. „Die Aquakultur leistet einen entscheidenden Beitrag zu der schwierigen Aufgabe, gesunde und zugleich nachhaltiger erzeugte Lebensmittel bereitzustellen, insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Dennoch wird sie in der globalen Diskussion über den Wandel des Nahrungsmittelsystems oft übersehen“, sagt der Vorsitzende von GLOPAN, Sir John Beddington.
Die gemeinnützige internationale Organisation WorldFish, die Konzepte für aquatische Nahrungsmittelsysteme entwickelt, fördert und in skalierbare Lösungen umsetzt, hat die wissenschaftlichen Grundlagen zu dem Kurzdossier beigesteuert. Der Generaldirektor von WorldFish, Dr. Gareth Johnstone, erklärte dazu: „Aquatische Nahrungsmittel bieten eine entscheidende Antwort für die weltweit zwei Milliarden Menschen, die unter der dreifachen Belastung der Unterernährung leiden, und davon profitieren insbesondere Frauen und Kinder am meisten.
Gerade im Vorfeld des UN-Gipfels zu Ernährungssystemen 2021 müssen evidenzbasierte Empfehlungen den Ton in der Politikentwicklung angeben, damit aquatische Nahrungsmittel in der Transformation der Ernährungssysteme für eine gesunde Menschheit und einen gesunden Planeten eine tragende Rolle spielen. Eine nachhaltige Aquakultur als zentraler Teil der aquatischen Nahrungsmittelsysteme trägt entscheidend dazu bei, um die gemeinsamen nationalen und globalen Anforderungen an gesunde, nahrhafte, nachhaltige und inklusive Nahrungsmittelsysteme zu erfüllen, mit denen sich die Ziele für nachhaltige Entwicklung bis 2030 erreichen lassen.“

Was bedeutet nachhaltige Aquakultur?

Image: Chaiyapruek – stock.adobe.com

Der Schutz der Bestände

In einer Zeit, in der uns allen vor Augen geführt wird, wie wichtig der Schutz der Fischbestände vor Überfischung ist, zeigt das Dossier Wege auf, wie die Aquakultur zu schnellerem Wirtschaftswachstum, Beschäftigungschancen, besserer Ernährungssicherheit und ökologisch nachhaltigen Ressourcen für ausreichende Ernährung für Millionen Menschen beitragen kann. Mit nachhaltigem Management könnte die Aquakultur nicht nur nachhaltigere Fischereimethoden fördern, sondern auch unsere Abhängigkeit von den Proteinen der Landtiere verringern.
Im Februar gab die kanadische Regierung bekannt, dass sie 7 Mio. Dollar für Satellitentechnologie zur Ortung von „getarnten“ Schiffen, den sogenannten „dark vessels“ investiert. Diese Schiffe deaktivieren ihre Geräte zur Standortübertragung, um sich so u. a. der Überwachung und Kontrolle zu entziehen. Der weltweite Rückgang der Fischbestände und die Zerstörung des marinen Lebensraums wird in hohem Maße durch die illegale, unangemeldete und nicht regulierte Fischerei (engl. „IUU“) verschuldet. Dies hat unweigerlich Auswirkungen auf die Existenzbedingungen der legalen Fischereibetriebe. Das Programm liefert aktuelle Satellitendaten und Analysen für jene Küstenstaaten, in denen die lokale Wirtschaft, die Ernährungssicherheit und die Gesundheit der Fischbestände erheblich durch die IUU-Fischerei beeinträchtigt ist.

Was bedeutet die Zucht von Meeres- und Süßwasserfischen unter künstlichen Bedingungen mit mechanischen und biochemischen Mitteln?

Image: Landrover Tour 2019 | Craig Pusey

Transparenz ist ausschlaggebend

Der weltweit führende Fischereikonzern Thai Union, zu dem Marken wie Chicken of the Sea, John West, Petit Navire, Parmentier, Mareblu, King Oscar oder Rügen Fisch gehören, hat sich der großen internationalen Naturschutzorganisation The Nature Conservancy angeschlossen, um vollständige Transparenz in der Lieferkette des globalen Thunfischfangs zu gewährleisten. Mit diesem Schritt unterstreicht das Unternehmen sein Engagement bei der Bekämpfung der illegalen Fischereipraktiken, die sich in dramatischer Weise u. a. auf die Überfischung der schwindenden Thunfischbestände oder die untragbar hohen Beifangmengen an gefährdeten Meerestieren wie Haien und Meeresschildkröten auswirken. Wegen fehlender geeigneter Überwachung entgehen den lokalen Fischereigemeinden und den Staatshaushalten darüber hinaus Hunderte Millionen Dollar an Einnahmen. Angesichts der weltweit ausgesetzten Überwachung auf See in Zeiten von Corona ist dieses Engagement wichtiger und drängender denn je. Denn in der Pandemie wurde nicht nur weiter gefischt (laut einer kürzlich durchgeführten Studie gingen die Fischereiaktivitäten wegen Covid-19 nur um 4 % zurück), sondern der Verkauf von Thunfischkonserven wurde in dieser Zeit weltweit sogar beflügelt. „Thai Union hat entscheidende Schritte unternommen, um Nachhaltigkeit zu einem wesentlichen Merkmal unseres Unternehmens zu machen. So haben wir etwa unsere globale Nachhaltigkeitsstrategie SeaChange® ins Leben gerufen – ein integrierter Aktionsplan zur Förderung zielgerichteter Verbesserungen in der gesamten globalen Fischereiindustrie – und Partnerschaften mit führenden Organisationen wie The Nature Conservancy geschlossen“, erklärt Thiraphong Chansiri, Präsident und CEO von Thai Union. „Uns ist bewusst, dass der Wandel nicht im abstrakten Raum stattfindet, sondern wir die Zukunft durch Zusammenarbeit und Partnerschaft gestalten. Veränderung braucht mehr als gute Vorsätze und wohl gemeinte Worte. Alle Beteiligten in Führungspositionen müssen den Weg nach vorn durch Taten und Ergebnisse vorgeben. Ich freue mich auf eine nachhaltige Zukunft, an der sich Thai Union und TNC durch verstärkte elektronische Überwachung und Transparenz in der gesamten Fischereiindustrie beteiligen können.“ Für John Reed, FCSI Associate und Foodservice-Berater für Beratungsdienstleistungen (MAS) in den USA, ist die Nachhaltigkeit bei der Versorgung mit Fischprodukten weltweit für Betreiber und Verbraucher ein wichtiges Thema. „Nachhaltigkeit ist nur ein Aspekt in diesem Prozess und bei der Kaufentscheidung in der Lieferkette“, so Reed. „Die Rückverfolgbarkeit von Fischereierzeugnissen ist seit vielen Jahren ein großes Thema, und es war ziemlich schwierig, für diese Art von Waren, d. h. für nicht gezüchtete, natürliche Arten, ein funktionierendes System auszuarbeiten. Die Aufzucht von Meeres- und Süßwasserfischen findet nach wie vor unter künstlichen Bedingungen mit mechanischen und bio-chemischen Mitteln statt. Letztendlich muss der Verbraucher entscheiden, ob ihm mehr daran liegt, etwas für die Umwelt und gegen illegale Fischereipraktiken zu tun, oder ob es ihm egal ist und er die Massenware wählt.
Das Dossier von GLOPLAN ist ein deutlicher Aufruf an alle Entscheidungsträger, die Fischereipolitik in langfristiger und nachhaltiger Weise anzugehen. Die Einbeziehung und Pflege der Aquakultur-Systeme spielt dabei eine entscheidende Rolle – sei es für die gehobene Gastronomie, um den Gästen auch weiterhin die Schätze der Meere bieten zu können, oder auch für die Existenzchancen ärmerer Küstengegenden, um jetzt und in Zukunft ein ausreichendes Einkommen aus der Fischerei zu erzielen.

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