Ihr Browser ist veraltet. Es kann sein, dass nicht alle Funktionen dieser Websites angezeigt werden. Wir empfehlen, einen dieser Browser oder Versionen zu verwenden Mozila Firefox oder Google Chrome

Connect
To Top

„Wir wollen gar kein Image!“

Von: Lesezeit: 3 Minuten

In keine Schublade passen, in jeden Topf gucken, die höchsten Wellen reiten – die Jungs von Salt & Silver verzaubern die Hamburger Gastro-Szene

Salt & Silver

Image: Salt & Silver

Gläser klirren, fröhliche Stimmen und entspannte Musik füllen den Raum. Draußen fällt die Nacht über St. Pauli, drinnen jongliert die Küchencrew mit Töpfen und Pfannen und würziger Duft macht Lust auf mehr. Schon stehen die ersten Schüsseln und Teller auf den Tischen – Food Sharing im lässigen Balagan-Stil. „Am schönsten ist es, gemeinsam zu essen und zu probieren“, sagt Gastronom Johannes Riffelmacher, den alle nur Jo nennen und der das Salt & Silver gemeinsam mit Jugendfreund „Cozy“ aka Thomas Kosikowski betreibt, mit dem er auch die Leidenschaft fürs Surfen, Reisen und Freunde Bekochen teilt. Und als sie einander nach Jahren wieder über den Weg liefen, war schnell klar, dass sie genau das zusammen tun wollten. Die beiden fackelten nicht lang, ließen ihr altes Leben einfach hinter sich und fingen nochmal ganz neu an. „Unsere Mission: die tollsten Gerichte rund um die Welt nach Hamburg zu bringen“, sagt Jo. Ein voller Erfolg: Die Gäste langen begeistert in die großen Schüsseln, die für alle auf dem Tisch stehen, zum Beispiel mit Chicharron – Schweinebauch mit Apfelcreme und fritiertem Maispudding – oder Pulpo mit Salsa Veracruz. Der Renner aber sind und bleiben Tacos und Ceviche.

Salt & Silver

Image: Salt & Silver

„Das ist das erste, womit wir bekannt geworden sind“, sagt Jo. Fun Fact am Rande: Kochen haben sie beide nicht gelernt. Cozy, der Fotograf, nicht, und Jo, der früher Art Director einer großen Werbeagentur, war, auch nicht. „Ich wollte nie Gastronom werden. Oder ein Kochbuch schreiben. Oder Mezcal-Importeur werden“, sagt Jo. Jetzt sind die beiden all das und haben mittlerweile sogar schon zwei Kochbücher am Start, genau wie ihren zweiten Laden: Seit dem Sommer gibt’s unter dem Label Salt & Silver gleich neben der Streetfoodbar das neue Restaurant, das die Gäste mit eben jenem entspannten Sharing-Style begeistert – „auch die Herren Sakkoträger“, wie Jo schmunzelnd erklärt. Auch die kommen gern in die lockeren Locations mit dem famosen Hafenblick. „Unsere Gäste sind eine komplett bunte Mischung, durch alle Schichten, auch Senioren und Familien“, beschreibt es Jo.
Was allen Gästen gemeinsam ist: Die Liebe zum Essen, das preis-wert ist. Seinen Preis wert. Manche Hauptgerichte schrammen knapp an der 30-Euro-Grenze vorbei. Dafür gibt’s dann aber auch irisches Steak, kanadischen Hummerschwanz oder einen ganzen Fisch vom Grill, pfiffig zubereitet und mit besten Zutaten.

Salt & Silver

Image: Salt & Silver

Von seinen Lieferanten spricht Johannes Riffelmacher in den höchsten Tönen – auch mit den Gästen. „Wir erzählen zum Beispiel davon, dass unser Fleisch von einem kleinen Bauernhof in Irland stammt, wo nur 20 Tiere pro Woche geschlachtet werden, so dass wir im Voraus bestellen müssen“, so Jo. „Das läuft ganz familiär und ohne Zwischenhändler, was sich günstig auf den Preis auswirkt.“ Eben kein Chichi, sondern gute, ehrliche Produkte: „Uns geht es darum, dass die Tiere ein anständiges Leben haben. Und das schmeckt man auch.“
Ein weiterer Lieferant ist die Gärtnerei Grünkorb mit ihrer Biokiste Hamburg. „Saisonales Gemüse, Wildsalate und Kräuter beziehen wir von dort“, so Jo. „Die Jungs bauen für uns sogar seltene endemische Chilisorten aus Mexiko und Peru an, sowie exotische Kräuter wie Epazote, Hoja Santa und Betelblätter.“ Und es kommt noch besser: Gemeinsam mit der Gärtnerei kreierten Jo und Cozy jetzt ihre erste eigene Anbaufläche. Demnächst wachsen dort zum Beispiel Kräuter und rund 70 regionale Maissorten aus Südamerika.

Salt & Silver

Image. Salt & Silver

In Lateinamerika fing schließlich alles an, damals, 2014.  Kuba, Mexiko, Nicaragua, Costa Rica, Panama, Ecuador, Peru, Chile. Daraus wurde das erste Kochbuch – und ein Lebensmotto:

„Reisen – Surfen – Kochen“.

Reisen, Surfen, Kochen. Ein Leben wie ein Traum, und doch: „Klar ist es auch harte Arbeit. Aber das will keiner hören“, sagt Jo. Vielleicht, weil es nicht zum Image der lässigen Surfjungs passt? Egal. „Wir wollen gar kein Image“, sagt er entschieden. Okay, anders gefragt: Wie schafft ihr das alles? Was ist euer Geheimrezept?
„Einfach machen, nicht nur labern“, meint Jo. „Das sage ich jetzt so, dann ist es ja kein Geheimrezept mehr!“ Er lacht. Und macht weiter. Kürzlich wurde in Marokko eine Doku fürs deutsche Fernsehen gedreht. Grade eben waren die zwei in Beirut und brachten aufregende Rezepte der Levante-Küche mit. „Da fahren wir bestimmt nochmal hin. Aber wir wollen noch weiter. Israel, Palästina, Iran. Klingt gefährlich?“ Jo winkt ab. „Wir haben überall Freunde. Und wir fahren ja nicht nach Aleppo!“

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

More in Chef's Life

  • Auf dem Höhepunkt

    Basilius Praxmarer leitet den Top Mountain Crosspoint an der Hochalpenstraße des Hochgurgl in Österreich, ein multifunktionales Gebäude, das aus Restaurant, Mautstelle,...

    Melissa MagerlJuni 24, 2019
  • Nur noch kurz die Welt retten

    Dass unsere Erde einzigartig und ein perfekter Ort zum Leben ist, kann uns sicherlich auch die Grundschulklasse in deinem Wohnort sagen....

    Michaela KirschnerJuni 17, 2019
  • Rice, Rice, Baby

    Viele kennen es als das warme Getränk vom nächsten Running-Sushi-Laden: Brian Polen und Brandon Doughan haben das japanische Traditionsgetränk Sake mit...

    Sissy Rabl - Rolling PinMai 31, 2019
  • Hyper – Hyper!

    Pflanzen als Superstars und Fleisch mit Storytelling: Wie Foodtrends entstehen und was sie über uns verraten.

    Lucas Palm - Rolling PinApril 23, 2019
  • Arbeiten in Malmö

    Gemeinsam sind wir stark: Das sollte auf der schwedischen Flagge stehen. Ruhig, gelassen und im Team gehen sie an jedes Problem...

    Kathrin Löffel - Rolling PinMärz 28, 2019
  • Auf der Suche nach dem leckersten Teller

    Sie sprießen wie Pilze aus dem Boden: Wettbewerbe für junge Köche. Langsam fällt es schwer den Überblick zu behalten und die...

    Michaela KirschnerMärz 11, 2019
  • Aromatische Algorithmen – Wie Foodpairing das Geschmackserlebnis erweitern kann

    Schokolade mit Zwiebeln, Erdbeeren auf den Burger, Banane und Weizenbier: Foodpairing bringt, unterstützt von Datenbanken und Molekularchemie, zusammen, was auf den...

    Verena LugertMärz 4, 2019
  • Der Burgermeister: Mein größter Fehler

    Auch die Großen der Branche machen nicht alles richtig. Hier erzählen sie von ihren Fehltritten und Rückschlägen, davon, was sie daraus...

    Bernhard Leitner - Rolling PinFebruar 18, 2019
  • Follow the Food Porn – 25 Best Chefs auf Instagram

    Willkommen im mobilen Mekka der Kulinarik! Vom Hobby-Gourmet bis zum Sterne-Koch ermöglichen Genussfreudige ihrer Followerschaft auf Instagram einen Blick über den...

    KTCHNrebel Editorial TeamFebruar 11, 2019