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Automatisierung zum Wohl der Menschen

Von: Lesezeit: 5 Minuten
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Die aufkommende Robotik und Automatisierung sorgen für rasante Veränderungen in der Gastronomielandschaft. Keith Tan, CEO und Gründer des Technologieunternehmens Crown Digital IO, erzählt uns, wie sein Barista-Roboter ELLA den Alltag der Gastronomie buchstäblich Tasse für Tasse verändert.

Keith Tan aus Singapur ist CEO und Gründer von Crown Digital IO. In seinen Smart-Cafés hat er den bahnbrechenden Barista-Roboter ELLA erstmals zum Einsatz gebracht. Tan, der sich selbst als „Digitalisierungs-Prediger“ bezeichnet, gab seinen bisherigen Beruf als Vermögensverwalter auf und machte sich selbstständig. Mit seiner Leidenschaft für guten Kaffee und seiner Begeisterung für Technologie verhalf er seinem 2016 gegründeten Unternehmen Crown Coffee zu einem rasanten Aufstieg. Erst letzten Monat unterzeichnete die Firma ihren ersten großen internationalen Vertrag mit JR East Business Development SEA Pte. Ltd, einer Tochtergesellschaft der East Japan Railway Company.

Robot Kaffee Restaurant Digitalisierung

Keith Tan | Image: Crown Digital

Wie sind Sie zur Gastronomie gekommen?

Noch 2015 war ich in der Finanzwirtschaft tätig und arbeitete für ein Multi-Family-Office. Ich war 35 und gerade frisch verheiratet. Da dachte ich mir, warum nicht etwas riskieren? Ich wollte Unternehmer sein und meine eigene Geschichte erzählen, so wie die Unternehmer unter meinen bisher betreuten Kunden. Also ging ich mit meiner Firma Crown Coffee an den Start, denn Gastronomie und Kundenservice machen mir Spaß. Und ich liebe Kaffee! Angefangen hat es mit einem sehr kleinen Café mitten im Industriegebiet, in der Lavender Street in Singapur. Mir war gar nicht bewusst, dass um mich herum lauter Tech-Firmen angesiedelt waren.
Schon bald in den ersten sechs Monaten ergab sich die Chance, eine zweite Filiale im DHL Innovation Center zu eröffnen. Dort lernte ich jede Menge neuer Technologien kennen. Die ersten so genannten kollaborativen Roboter waren da im Einsatz. Echt cool, dachte ich nur. Alles drehte sich um die digitale Transformation und ums Internet der Dinge (IoT). Das war zu der Zeit Thema Nummer eins.
Als ich das Geschäft angepasst habe, war ich mit vielen Problemen beim Betrieb eines herkömmlichen Kaffeegeschäfts konfrontiert. Ich dachte nur, Mensch, ich habe den Anschluss verpasst – ich bin im Kaffee-Business, und die Welt geht digital. Da liegt die Zukunft, oder? Aber dann habe ich mir gesagt, wenn ich auf den „digitalen Zug“ aufspringen könnte, würde ich es sofort tun. Wenn sich die Chance ergibt, muss man umschwenken.

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Image: Crown Digital

Wie waren Sie für das Wachstum gerüstet?

 Wir hatten vier Standorte, aber es gab jede Menge Probleme mit den Arbeitskräften. Die Gastronomie ist ein hartes Geschäft. Die Arbeitszeiten sind lang und es ist schwer Personal zu schulen und zu halten. Mit der Zeit wurden in unserem Café häufiger IoT-Workshops veranstaltet. So lernte ich die digitalen Möglichkeiten kennen und dachte mir, das sollten wir auch nutzen und unseren Laden in ein „Smart-Café“ umgestalten – Essen ist irgendwie altmodisch. Da muss es doch bessere Wege geben.
Neben unserer vierten Café-Filiale hatte Intel einen Standort. Als wieder einmal ein paar Intel-Mitarbeiter bei uns auf einen Kaffee waren, habe ich sie einfach angesprochen und meinte zu ihnen: „Leute, wir steigen jetzt ins Tech-Geschäft ein“. Eine der Mitarbeiterinnen war zufällig die Marketingleiterin für den APAC-Raum. Sie meinte, Keith, deine Geschichte ist genial. Ich muss dich unbedingt unserem „Internet der Dinge“-Team vorstellen. Also stellten sie für mich die Kontakte zu ihren Ökosystempartnern her. Mittlerweile sind wir ein marktreifer, lösungsorientierter Partner von Intel. Sie standen mir bei meinem ersten Machbarkeitskonzept zur Seite, um Lösungen für all die Personalfragen zu finden. Sie haben Hardware-Anbieter mit ins Boot geholt, und das hat sich bezahlt gemacht.

Was waren die wichtigsten Momente, nachdem der Prototyp von ELLA entwickelt war?

Die ersten Kunden waren Alibaba und das Marina Bay Sands Convention Center. Das hat uns neue Möglichkeiten eröffnet. Wir wurden als Kaffee-Caterer auf Veranstaltungen engagiert. Und das ist die größte Herausforderung, denn dort wollen Tausende Gäste gleichzeitig ihren Kaffee haben. Mit der Zeit wurde unsere Lösung deutlich ausgereifter. Der Durchbruch war unser Auftritt beim Standard Chartered Marathon in Singapur. An diesem Tag kamen 50.000 Leute, um ihre Verpflegungspakete abzuholen. Wir haben an einem Tag geschlagene 10 Stunden am Stück 2.000 Tassen Kaffee zubereitet.
Innerhalb kürzester Zeit waren wir auf über 40 Veranstaltungen auf der ganzen Welt dabei. Intel hat uns für seine Partner Connect-Veranstaltung in Sydney gebucht. Die Australier sind verwöhnte Kaffeetrinker, und sie waren von uns begeistert. Wir waren in Hong Kong, New York und auf der IT-Messe GITEX 2020 in Dubai. ELLA hat schon die ganze Welt bereist.

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Image: Crown Digital

Welche tatsächlichen Vorteile bietet ELLA?

ELLA schafft echten Mehrwert. Das Gerät ist schnell, kompakt und macht gleichbleibend leckeren Kaffee – ganz ohne Menschenhand. ELLA löst vier klassische Probleme im Einzelhandel: überhöhte Mietkosten, denn das Gerät ist inzwischen wirklich klein und passt auch in Ladengeschäfte, die als Café ungeeignet wären; die Automatisierung spart Arbeitskräfte; es spart die Kosten für die Einstellung, Schulung und Weiterbildung des Personals, und Qualitätsschwankungen sind damit ebenfalls passé.

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Image: Crown Digital

Welche positiven Erlebnisse haben Ihrem Wachstum noch Auftrieb verliehen?

Ich hatte ein Treffen mit der Japan External Trade Organization (JETRO). Diese Handelsorganisation beschäftigt sich damit, Technologieunternehmen nach Japan zu bringen. Die JETRO-Leute sagten, die East Japan Railway hätte ein Büro in Singapur und die Genehmigung für den Bau der neuen Straßenbahnstrecke Thomson East-Linie als Joint Venture mit dem lokalen Bahnbetreiber. Sie stellten den Kontakt zu den Eisenbahnern her, und deren CEO war von ELLA begeistert. Er meinte, sie hätten den Auftrag zur Erneuerung unserer Bahnhöfe sowie einen 20-Jahres-Plan, um KI und Robotik in die Bahnhöfe zu integrieren. Zu diesen Zukunftsplänen würde ELLA ideal passen. „Wir müssen in Ihr Unternehmen investieren und mit Ihnen wachsen,“ waren seine Worte.
Wir haben die Investition im Dezember abgeschlossen. Sie sind auf Holdingebene beteiligt. Crown Coffee haben wir als Einzelhandelsmarke ausgegliedert und Crown Digital für alle Digitalisierungsvorgänge bestimmt. Unser Ziel ist der japanische Markt, um auf den landesweit 1.700 Bahnhöfen zu expandieren. Dort sind täglich 17 Millionen Fahrgäste unterwegs. In den Bahnhöfen gibt es etwa 168 Einkaufszentren und 40 Geschäftshäuser. Sie gelten als einer der größten Vermieter in Japan.
Als nächstes Ziel wollen wir daher unsere 30 Standorte in Singapur aufbauen, um dann bis Juni in Japan an den Start zu gehen und das Marketingkonzept rechtzeitig vor den Olympischen Spielen in Tokio zu testen.

Mit welchen neuen Innovationen und Investitionen beschäftigen Sie sich aktuell?

ELLA hat ihre eigene mobile App. Man kann den Kaffee per Smartphone bestellen, ELLA bereitet ihn zu und sobald man vor Ort ist, braucht man nur den individuellen QR-Code einzuscannen und kann seinen Kaffee abholen. Es ist kontaktlos, die Vorgänge online und vor Ort gehen nahtlos ineinander über. Wegen der (erforderlichen) Abstandsregelungen in der Pandemie sind kontaktlose Vorgänge wichtig geworden.
Wir sind in öffentlichen Attraktionen engagiert, z. B. im Wildlife Reserve in Singapur, und wir haben Unternehmen mit mehreren Tausend Mitarbeitern, die unsere Lösung für ihr Gebäude wollen. Unsere Geschäftsbeziehung zum Singapur-Marathon laufen prima. Sie haben eine ELLA für ihre 4.000 Mitarbeiter bestellt.
Wir hatten Geschäftstreffen mit Ölfirmen in Dubai. Sie wollen ihre Tankstellen moderner gestalten künftig voll auf kontaktlose und automatisierte Verfahren setzen. Neben den Verkehrsknotenpunkten gibt es rund um die Uhr geöffnete Krankenhäuser, die ELLA nutzen könnten.

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Image: Crown Digital

Wie sieht die Zukunft für diese Technologie aus?

Meiner Ansicht nach stehen wir in Sachen Robotik, KI und Automatisierung in der Gastronomie- und Lebensmittelbranche noch ganz am Anfang. Tee und Kaffee sind hier ein Ausgangspunkt, von dem aus man sich weiter entwickeln und verändern wird.
Wir arbeiten mit Olam zusammen, um Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Herkunft der Ressourcen sicherzustellen. Wir möchten eine schöne Nachhaltigkeitsgeschichte nachzeichnen, sodass man bei uns zu jeder Tasse Kaffee oder Kakao das Produkt bis zum Erzeuger zurückverfolgen und sehen kann, wer alles davon betroffen ist. Heutzutage möchten die Verbraucher wissen, wer für die Arbeit bezahlt wird. Das könnten wir erreichen, indem wir den gesamten Handelsweg darlegen.
Es gibt kein zurück. Seit der Pandemie bewegt sich die Welt immer schneller in Richtung E-Commerce und Digitalisierung. Wenn sich ein Unternehmen nicht weiterentwickeln oder anpassen kann, wird es unweigerlich aus dem Geschäft gedrängt. Angesichts der „neuen Normalität“ beschäftigen sich nun viele mit diesen Lösungen. Sobald man digital arbeitet, kann man den Wareneinsatz kalkulieren, die Lieferkette optimieren und auf die zunehmend individuellen Kundenwünsche eingehen. Das ist kein Hexenwerk. Sobald man den Einstieg (in die Digitalisierung) vollzieht, gibt es kein Zurück mehr. Die Welt da draußen ist für die Menschen, die innovative Schritte wagen, um damit den Markt zu erobern.

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