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Handicaps sind kein Handicap – barrierefrei genießen

Von: Lesezeit: 4 Minuten
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Barrierefreie Angeboten sind die Zukunft, auch in Gastronomie und Hotellerie. Gäste mit Handicap kommen oft in Begleitung, bleiben gelungenen Konzepten gerne treu und empfehlen sie in ihren Netzwerken überzeugend weiter. Doch das Angebot könnte besser sein.

Mit immerhin gleich drei barrierefreien Häusern wartet die deutsche Gruppe der Sonnenhotels auf. Sie wurden nach den Richtlinien des jungen staatlich geförderten Kennzeichnungssystems „Reisen für Alle“ zertifiziert, mit dem bislang etwas mehr als 3000 Beherbergungsbetriebe, Geschäfte und Freizeitangebote nach transparenten Kriterien unter die Lupe genommen und minutiös beschrieben wurden.

Das Sonnenhotel Weingut Römmert im fränkischen Volkach ist das neueste barrierefrei zertifizierte Haus der Sonnenhotels. Das Sonnenhotel Feldberg am See in Mecklenburg-Vorpommern und sogar das in einem denkmalgeschützten Gebäude untergebrachte Sonnenresort Ettershaus im Harz sind ebenfalls zertifiziert. In einem weiteren Haus bereitet man sich derzeit auf dem Empfang von Gästen mit Demenz vor.

Schutz vor bösen Überraschungen

Die Webseiten der Häuser glänzen mit detailgenauen, durch Fotos untermauerten Beschreibungen der Räumlichkeiten. Die dadurch vermittelte Sicherheit ist für Gäste mit Handicap keine Selbstverständlichkeit. Erfahrene Reisende wissen: böse Überraschungen sind eher die Regel als die Ausnahme und selbst telefonisch eingeholte Auskünfte nicht immer korrekt.

Gastgeber ohne Gefühl für die Belange vergessen schon mal zu erwähnen, dass es eben doch eine Stufe am Eingang gibt oder keine Lautsprecherdurchsage im Lift. Da ist Ärger vorprogrammiert und derart mit ihren Grenzen konfrontierte Gäste kommen garantiert nicht wieder. Soll heißen: Breite Durchgänge und ebenerdige Duschen sind nicht alles. Nur wenn die Mitarbeiter mit dem Herzen dabei sind und Verständnis für persönliche Bedürfnisse aufbringen, werden Gäste sich ehrlich willkommen fühlen.

Italienische Momente für alle

Und das gilt sicher für alle Gäste, die beim italienischen Anbieter Cosyfair eine Reise buchen. Das Unternehmen verfügt über ein einzigartiges Netzwerk an Experten im ganzen Land, die für beste Ortskenntnis und einen stets perfekt auf den Gast zugeschnittenen Empfang und eine angenehme Unterbringung in geprüften Häusern sorgen.

Firmengründerin Ileana Esposito ist selbst Rollstuhlbenutzerin und mit den Anforderungen an Barrierefreiheit vertraut. Der eigene Fuhrpark und das Depot an Rollstühlen und sonstigen Hilfsmitteln tun ein Übriges, um Gästen mit Handicaps aller Arten einen unvergesslichen Urlaub zu ermöglichen.

USA – Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Besonders vorteilhaft ist die Situation in den Vereinigten Staaten. „Ist ein Restaurant, Hotel, Kaufhaus oder Einzelhandelsgeschäft nicht nach den ADA-Standards barrierefrei, erhält es von der Food and Drug Administration FDA keine Betriebserlaubnis“, erklärt Alexander Lang, Fachplaner für Barrierefreiheit. „Spätestens seit 1990 haben die USA massive Anstrengungen unternommen, ihr Land barrierefreier zu machen und Diskriminierungen aufgrund von Behinderung einen Riegel vorzuschieben. Grundlage für diese Maßnahmen ist das amerikanische Behindertengleichstellungsgesetz, der Americans with Disabilities Act ADA.“

In den USA steht Gästen mit Handicap eine schier unendliche Zahl an touristischen Attraktionen zur Verfügung, stets begleitet von barrierefreien Hotels und Restaurants. Wie aufmerksam Gäste mit Handicap in den USA empfangen werden, zeigt das Beispiel des Amicalola Falls State Park in Georgia mit dem höchsten Kaskadenwasserfall im Südosten der  USA. Ein eigens für Rollstuhlfahrer und Kinderwägen gestalteter Weg mit weichem Belag führt bequem zu einem spektakulärem Aussichtspunkt, ganz ohne dass man die anstrengenden Treppen nutzen muss. Nicht weit vom Wasserfall liegt die Amicalola Falls Lodge. Hier gibt es behindertengerechte Zimmer im Erdgeschoss, Assistenzhunde sind willkommen und das Personal ist geschult, um behinderten Gäste die Teilnahme an Aktivitäten im State Park zu ermöglichen.

Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Selbst die Universal Studios in Hollywood und das Kennedy Space Center in Florida sind auf Gäste mit Beeinträchtigungen bestens vorbereitet. Und überall finden sich passende Unterkünfte. Im berühmten Key West lädt das Pier House Resort & Spa zu barrierefreien Aufenthalt, wo einst Truman Capote und Tennessee Williams residierten und Bob Marley in der Bar seine Musikkarriere startete.

 

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Hier wurde an alles gedacht

Eine herausragende Stellung unter zahllosen barrierefreien Angeboten nimmt der Bundesstaat Virginia ein. Auf der spendenfinanzierten Plattform www.accessiblevirginia.org finden sich detailgenaue Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten, Restaurants, Geschäften und Freizeitaktivitäten. Vom Türmaß bis zur nächstgelegenen Dialyseklinik und von der Reparaturwerkstatt für Rollstühle bis zum Tierarzt für Assistenzhunde wurde an alles gedacht.

In Texas wurde mit dem Non-Profit-Projekt Morgan’s Wonderland ein ganzer Freizeitpark eigens für Rollstuhlfahrer geschaffen, in dem Gäste mit anerkannten Behinderungen sogar freien Eintritt erhalten. Und natürlich gibt es auch Partnerhotels mit barrierefreien Zimmern!

 

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Kleine Roboter – große Chancen

Eine ganz neue Idee der Barrierefreiheit verfolgt das frisch eröffnete Dawn Avatar Robot Café in Tokio. Hier werden die Gäste von kleinen, weißen Robotern bedient. Besonders macht dieses Konzept vor allem die Arbeit hinter den Kulissen: Denn die kleinen Helfer dienen den Mitarbeitern als Avatare. Per Fernsteuerung über das Internet ermöglichen die 1,20 Meter großen Roboter denjenigen Menschen das Arbeiten, die aufgrund von körperlichen Behinderungen, Kinderbetreuung oder anderen Bedingungen ihr Zuhause für längere Zeit nicht verlassen können.

Wo kann man mit Handicap ohne Probleme essen gehen?

Image: OryLab Inc.

Das innovative Café ist das jüngste Projekt des japanischen Robotik-Unternehmens Ory Laboratory Inc. und soll bei der Gestaltung einer barrierefreien Gesellschaft unterstützen. Die OriHime-D-Roboter, wie sie genannt werden, sind mit einer Kamera, einem Mikrofon und einem Lautsprecher ausgestattet. So können sie sprechen und Befehle entgegennehmen, während sie sich durch den Raum bewegen. Da die Roboter auch durch Augenbewegungen gesteuert werden können, ermöglicht dieses Konzept auch immobilen Menschen das Arbeiten in der Gastronomie.

Barrierefrei genießen - wo geht das?

Image: OryLab-Inc.

Und natürlich ist das Café auch für Gäste mit Handicaps geeignet. Begleitpersonen sind ungeachtet der vorgeschriebenen Personenzahl stets willkommen. Die Räumlichkeiten sind komplett zugänglich für Rollstuhl- und E-Rollstuhlbenutzer, die barrierefreien WCs sind auch auf Stoma-Benutzer eingerichtet und man kann Ladegeräte für sein medizinisches Equipment, beispielsweise Beatmungsgeräte, mieten.

Ganz neue Bereiche der Barrierefreiheit leuchtet Reise-Experte und Fotojournalist Andreas Pröve aus. Mit seinem Handbike bereiste er unter anderem China, Indien, Myanmar, Jordanien und den Irak und erreichte sogar die Quellen von Ganges, Mekong und Jangtze. Nachmachen muss das niemand. Aber Pröves eindrucksvolle Vorträge machen Mut, die eigene Komfortzone aufzubrechen und sich für neue Erlebnisse zu öffnen. Angebote gibt es bereits viele und es werden immer mehr!

Images: Andreas Pröve

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