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Die Zukunft hat begonnen: Wie Roboter den Alltag in der Küche revolutionieren

Von: Lesezeit: 5 Minuten
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Das ursprünglich in Russland konzipierte und in London ansässige Unternehmen Moley Robotics hat die weltweit erste Roboterküche mit einer multifunktionalen Küchenzeile entwickelt und auf den Verbrauchermarkt gebracht. Mit dem Gründer und Geschäftsführer Mark Oleynik haben wir über das Potenzial von Moley in Gewerbeküchen gesprochen

Der Firmenname Moley Robotics setzt sich aus dem Namen des Gründers und Geschäftsführers Mark Oleynik zusammen. Oleynik hat Informatik am St. Petersburger Institut für Kernphysik studiert, ein Masterstudium an der St. Petersburger Staatlichen Universität für Luft- und Raumfahrt und Instrumentierung absolviert, später noch in Wirtschaftswissenschaften promoviert und an der Harvard Business School einen Master-Abschluss erlangt. Er ist also zweifelsohne ein hochgebildeter Mann. Und er hat große Pläne, unser Leben mithilfe der Robotik einfacher zu machen.

Verwirklicht hat er sie derzeit bereits in der von Moley entwickelten „ersten Roboterküche der Welt“, einem ausgeklügelten kochenden Roboter, der mit seinen automatischen „Händen“ über 5000 Gerichte zubereiten, anrichten und sogar anschließend aufräumen kann. Die Roboterhände werden von optischen Kameras und Sensoren geführt und von einer Deckenschiene aus bewegt. Geschickt hantieren sie mit den von Moley maßgeschneiderten Pfannen und Küchenutensilien, während sie wie selbstverständlich die Sensortasten des Induktionskochfelds betätigen.

Moley zielt aktuell noch auf das gehobene Privatsegment ab – und ist nicht gerade billig, denn eine Basis-Küchenzeile mit Roboterarmen kostet stolze 335.000 US-Dollar. Doch der stets visionäre und weitsichtige Oleynik plant bereits den nächsten Schritt: den Einsatz der Roboter in gewerblichen Küchen. Dies könnte in naher Zukunft die Arbeitsweise in Restaurants tatsächlich grundlegend verändern.

Wie kam es dazu, dass Sie die „erste Roboterküche der Welt“ erfunden haben?

Nach dem Studium habe ich mehrere Jahre in Afrika und Russland im Gesundheitswesen u. a. in klinischen Studien und bei Knochenmarktransplantationen gearbeitet, bevor ich mich wieder der Informatik zugewandt habe. Dann habe ich für Moley die erste Roboteranwendung für die Küche entwickelt, die ab 2014 in Produktion ging. Meist erstellen wir recht schnell einen ersten Prototypen, um zu belegen, dass eine Idee grundsätzlich funktioniert und umsetzbar ist. Die Machbarkeit dieses Konzepts haben wir 2015 auf mehreren Messen demonstriert. Anschließend haben wir Gelder gesammelt und mit der Entwicklung des ersten Produkts begonnen, das im Dezember 2020 auf der IT-Messe GITEX in Dubai vorgestellt wurde.

Der smart kitchen Roboter im Einsatz

Der smarte Küchen-Roboter im Einsatz / Image: Black Edge Productions


Warum haben Sie für die Robotik gerade im Wohnbereich Marktpotenzial vermutet?

Wenn man sich einmal intensiv mit den unterschiedlichen physischen Anwendungen zur Optimierung der reellen Welt beschäftigt, erkennt man, dass es derzeit nicht viele (Roboter) gibt. Das liegt vor allem daran, dass das Konstruieren der Hardware deutlich aufwendiger ist als die Software-Entwicklung. Neue Konzepte in Sachen Hardware sind ziemlich selten, weil sie ressourcenintensiv sind, Risiken anhäufen und Probleme bei der Zuverlässigkeit machen. Es ist nie gewährleistet, dass sich das (Erfundene) tatsächlich in der realen Welt bauen lässt. Deshalb produzieren meist nur die ganz großen Unternehmen komplexere Geräte.

Was hat Sie dazu bewogen, sich speziell mit Küchen zu beschäftigen?

Die Menschen wünschen sich Arbeitserleichterungen – das ergibt sich aus der Nachfrage der Kunden. Wenn es aber um einen eigenständigen Roboter geht, z. B. einen „Androiden“ mit Beinen, der sich in der Wohnung bewegen soll, gibt es Probleme mit der dynamischen Stabilität und der Sicherheit, denn der Roboter ist ziemlich schwer. Die Sicherheit der Konstruktion ist eine schwierige Aufgabe. Baut man zusätzliche Motoren ein, verbrauchen sie auch viel Energie. Wünscht man viele Freiheitsgrade, muss man die Roboter vermutlich über Kabel mit Strom versorgen oder häufig zum Aufladen bringen. Und dann ist da noch die Funktionalität. Die meisten Roboter können keine tatsächlich funktionellen Vorgänge durchführen. Deshalb habe ich bei der Entwicklung der Roboterküche diese grundlegenden Probleme gelöst, indem der Roboter in die Küchenstruktur integriert wurde. Damit haben sich die Fragen nach dynamischer Stabilität, Stromversorgung und Sicherheit erübrigt. In funktionaler Hinsicht ist die Küche ein idealer Anwendungsbereich.

Digitalization Connected Cooking professional kitchen

Digitalisierung in der Profi-Küche / Image: Black Edge Productions

Wie funktioniert die Automatisierung? 

Wir haben eine Architektur geschaffen, bei der die Maschine die Anweisungen eines echten Kochs befolgen kann. Der Garprozess ist eine Abfolge von funktionalen Vorgängen, u. a. das richtige Timing sowie verschiedene andere Parameter wie Zutaten und Mengen. Die gelenkigen Hände von Moley können die Bewegungen und Abläufe von Profiköchen kopieren. In der industriellen Fertigung werden Roboter schon lange eingesetzt und erledigen dort in der Regel ziemlich standardisierte, gleichbleibende Bewegungen ohne individuelle Anpassung. In unserem Setting bewegen sich die Roboterarme an einer Schiene, um aus verschiedenen Positionen alle umliegenden funktionellen Teile greifen zu können. Wir speichern Daten über den Temperaturverlauf des Garvorgangs und die Betriebsabläufe – der Roboter erledigt absolut dieselben Handgriffe wie ein Mensch.

Wie schlägt sich der Roboter im direkten Vergleich mit dem Menschen?

Natürlich agieren wir Menschen viel geschickter als die Arme und Hände des Roboters. Von Geburt an trainieren wir unsere Hände laufend weiter. Unser erster Roboter war recht einfach gehalten und hatte gut 20 Freiheitsgrade, weil uns zunächst eine zuverlässige Lösung wichtig war. Das aktuelle Produkt ist dagegen wirklich komplex. Bei so einer Entwicklung muss man jedes Mal einen Kompromiss zwischen Funktionalität und Komplexität eingehen. Denn je komplexer das entstehende Gerät ist, desto mehr Probleme ergeben sich, sobald man anfängt, die Technik auf absolute Zuverlässigkeit zu trimmen. Schließlich soll es im Idealfall für Tausende, wenn nicht gar Millionen Zyklen einwandfrei funktionieren.

Könnte diese Technologie auch in Gewerbeküchen eingesetzt werden? 

Unsere aktuelle Küchenzeile ist ja im Grunde multifunktional; sie ist nicht nur in Privatwohnungen, sondern in jeder Küche der Welt einsetzbar. Damit lassen sich Suppen für Restaurants, Pommes frites, Brathähnchen oder auch Teppanyaki in einem große Wok zubereiten. Das ist das multifunktionale Kochen von morgen. Wir arbeiten jetzt an ein oder zwei verschiedenen Modellen, für die Anwendung in der Gastronomie vereinfachen wir es deutlich. Wir können Küchen mit unterschiedlichen Freiheitsgraden konstruieren. Auf der GITEX haben wir zum Beispiel eine sehr komplexe Küche mit vielen Freiheitsgraden vorgestellt. Daraus ergibt sich auch der recht hohe Preis für diese Geräte. Werden diese Freiheiten aber nicht benötigt, weil jemand die Maschine für einen bestimmten Zweck einsetzen möchte, um z. B. einen oder zwei Köche zu ersetzen, ist das auch machbar. Unsere Software- und Hardwarelösungen sind perfekt modular aufgebaut, sodass wir sie für verschiedene Anwendungen und Anforderungen modifizieren können. Deshalb halte ich unsere Küche auch für absolut einzigartig, weil sich unsere Produkte wirklich auf die Bedürfnisse der Kunden abstimmen lassen.

Welche Erfolgsaussichten hat Moley?

Wir möchten unser Produktportfolio ausdifferenzieren und verschiedene Branchen ansprechen. Vor allem wollen wir aber endlich die Möglichkeiten für Entertainment und Kochen im eigenen Heim verändern. Ich glaube, jeder wünscht sich so eine Maschine, die auf Knopfdruck potenziell über 5000 Gerichte zaubern kann. Das würden nicht einmal Profiköche schaffen. Insofern steht die Küche im Privatbereich für längere Zeit im Mittelpunkt unserer Strategie, im gewerblichen Bereich sind wir aber flexibler. Wir führen aktuell Gespräche mit mehreren Hotelketten und einigen großen kommerziellen Restaurantketten, die unseren Roboter in die bestehende Restaurantumgebung für einige sehr spezielle Kochvorgänge oder für unterschiedliche Anforderungen integrieren wollen. Das ist unser Hauptaugenmerk.

Digitized Kitchen smart kitchen internet

Das Moley Robotics Team / Image: Black Edge Productions

Wie sieht die Automatisierung in der Gastronomie Ihrer Meinung nach künftig aus? 

Da fallen mir in erster Linie die Hotels ein. Dort ist ein 24-Stunden-Zimmerservice gefragt, aber es ist furchtbar schwer, Köche für die Nachtschichten zu finden – und im Juli will niemand wirklich arbeiten. Für den nächtlichen Gastronomieservice könnte ein solches Gerät daher ideal geeignet sein. Auch die (Küchen von) Seniorenwohnungen, Krankenhäuser und Kliniken sollen ausgewogene, frische Speisen zubereiten, bieten aber vielleicht keine angenehme Arbeitsumgebung. Deshalb verlagert sich meiner Meinung nach der Zweck der Automatisierung ein wenig. Das liegt nicht nur daran, dass wir Arbeitskräfte ersetzen oder bestimmte Kosten senken müssen. Wir Menschen sind etwas ganz Besonders, wir können außergewöhnliche, kreative Dinge vollbringen. Das Problem ist die Kehrseite dessen, denn langweilige, sich wiederholende oder akribische Vorgänge liegen uns nicht. An dieser Stelle können Roboter einspringen.

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