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Zwang zum fleischfreien Speiseplan: Ist WeWork zu weit gegangen?

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Coworking-Riese WeWork hat in den Mitarbeiterkantinen das Fleisch vom Speiseplan gestrichen. Sollten andere Unternehmen nachziehen?

WeWork Mitarbeiter erhalten künftig kein Fleisch mehr auf Firmenkosten. Im Juli kündigte der Coworking-Riese an, seine weltweit 6.000 Mitarbeiter erhielten ab sofort keine Auslagenerstattung für fleischhaltige Gerichte mehr, außerdem werde auf WeWork-Veranstaltungen künftig weder rotes Fleisch, noch Geflügel oder Schwein auf Firmenkosten serviert.

Auch in den „Honesty Markets“ Selbstbedienungsmärkten, die in einigen der 400 Coworking-Gebäude betrieben werden, werden künftig nur noch vegetarische Snacks angeboten.

All dies ist Teil der Bemühungen des Unternehmens, seinen ökologischen Fußabdruck zu verbessern. Im Rahmen dieser Initiative wurde unter anderem bereits der Kunststoffverbrauch reduziert, außerdem werden Lebensmittel, die auf Firmenveranstaltungen übrig bleiben, für wohltätige Zwecke gespendet.

„Neue Studien haben gezeigt, dass der Verzicht auf Fleisch eine der wichtigsten Entscheidungen ist, die ein Mensch treffen kann, um seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck zu verbessern“,

sagte WeWork-Mitbegründer und Leiter des Kulturbüros Miguel McKelvey in einer Mitteilung, in der die Mitarbeiter über die neue Richtlinie informiert wurden. Dieser Verzicht sei „sogar noch wichtiger als der Umstieg auf ein Hybridauto.“

Das Unternehmen mit einem Wert von 20 Milliarden USD, das einen gemeinsamen Arbeitsraum für Freelancer, Unternehmer und Unternehmen aus den USA, Europa, Asien und Lateinamerika bietet, geht davon aus, bis 2023 durch den Fleischverzicht etwa 63,2 Milliarden Liter Wasser und 202 Millionen Kilogramm Kohlendioxidemissionen einzusparen und 15 Millionen Tiere zu verschonen.

Mehr Speisepläne auf Pflanzenbasis

Meatless company catering at WeWork

WeWork verbannt Fleisch aus den Kantinen / Image: WeWork

WeWork ist zwar bislang das einzige Unternehmen, das seinen Mitarbeitern am Arbeitsplatz eine fleischfreie Ernährung verordnet hat, jedoch nicht das einzige, das sich für eine pflanzlichere Ernährung einsetzt.

In den Betriebskantinen von Google stehen die veganen Gerichte auf der Speisekarte weiter oben als die Fleischgerichte, während der Contract Catering-Riese Sodexo kürzlich neue Speisepläne auf Pflanzenbasis in Hunderten von Universitäten sowie bei Gesundheits- und Unternehmensdienstleistern in den USA eingeführt hat, die zu seinen Kunden gehören.

„Das Angebot von gesunden und nachhaltigen Gerichten ist Teil unserer Roadmap Better Tomorrow 2025, mit der wir sowohl die Lebensqualität jedes Einzelnen verbessern als auch die Herausforderungen angehen, vor die uns der Klimawandel stellt“, erklärt Ted Monk, Vizepräsident, Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung, Sodexo Nordamerika.

„Der spannendste Aspekt ist jedoch, dass unsere Kunden so die Möglichkeit haben, neue Gerichte mit neuen Aromen sowie kreative Anpassungen ihrer bisherigen Lieblingsgerichte kennenzulernen, da überall auf dem Markt eine größere und bessere Auswahl verfügbar ist.“

Geht erzwungener Vegetarismus zu weit?

Die Zahlen belegen eindeutig unseren Wunsch, weniger Fleisch zu essen. Im Vereinigten Königreich ist der Anteil der Veganer in den letzten 10 Jahren um 350% gestiegen und in den USA gab es in den letzten drei Jahren einen massiven Anstieg um 600%. Aber ist es wirklich der richtige Weg, den Rest von uns zu einer pflanzlichen Ernährung zu zwingen?

In einem Interview mit Fast Company beantwortete Laszlo Bock, der ehemalige leitende Vizepräsident People Operations bei Google und Autor von Work Rules! diese Frage mit nein. „Menschen mögen es wirklich nicht, wenn man ihnen die Wahlmöglichkeiten nimmt“, merkte er an. „Dafür sind sie wesentlich offener für Anstöße.“

Für Will Nicholson, Experte für Lebensmittelnachhaltigkeit, der mit dem Food Climate Research Network und der Food Foundation daran arbeitet, nutzbare Messdaten festzulegen, um den Fortschritt der Lebensmittelindustrie bei der Bereitstellung einer nachhaltigen und gesunden Ernährung zu bewerten, geht es bei dieser Frage allein um den Zusammenhang.

Ein relativ extremer Ansatz kann bei einem Contract Catering-Kunden, beispielsweise bei einer Umweltabteilung der Regierung, gut funktionieren, während er bei einem anderen Kunden überhaupt nicht ankommt.

„Ich habe kürzlich mit Cateringunternehmen gesprochen, die wirklich tolle Sachen gemacht haben, sie setzen einen höheren Anteil von pflanzlichen Lebensmitteln ein und reduzieren die Fleischmenge, das hat nachweislich Auswirkungen auf die Optimierung ihres ökologischen Fußabdrucks, aber die fleischfreien Montage haben sich tatsächlich etwas nachteilig auf die Kundenzufriedenheit ausgewirkt“, sagt Nicholson.

In diesen Fällen ist es vermutlich deutlich wirkungsvoller, den Speiseplan ganzheitlich zu betrachten und kleinere Veränderungen die ganze Woche über vorzunehmen.

„Betrachten Sie Ihren gesamten Speiseplan und schauen Sie, wo sich Möglichkeiten bieten“, empfiehlt er. „Und denken Sie dabei nicht nur an das warme Hauptgericht – denken Sie auch an den Take-away-Bereich, Ihre Salatbars und den Sandwichbelag.

 WeWork will no longer serve meat / Image: WeWork

Für immer Veggie-Day / Image: WeWork

Und vergessen Sie dabei nicht, dass Ihre Umweltauswirkungen der Speisekarte multipliziert mit Umsatz plus Abfall entsprechen – eine kleine Änderung an einem Gericht, von dem Sie große Mengen verkaufen, könnte also wirkungsvoller sein als eine große Änderung an einem Gericht, das bei den Gästen ohnehin nicht hoch im Kurs steht.“

Neben dem ökologischen Fußabdruck müssen Cateringunternehmen außerdem berücksichtigen, ob die Produkte auf Pflanzenbasis, die sie in ihrem Unternehmen nutzen, verantwortungsbewusst angebaut und hergestellt wurden, und daran denken, dass fleischfrei nicht immer auch gesund oder kostengünstig bedeutet.

„Bei einem fleischfreien Burger muss man beispielsweise darauf achten, dass dieser genug wichtige Makro- und Mikronährstoffe enthält. Die Versuchung besteht bei diesen verarbeiteten Fleischersatzprodukten daran, sie mit Salz, Zucker und Fett vollzupacken“, erklärt Nicholson und fügt hinzu, dass es nicht unbedingt ein vorteilhafter Business Case ist, einen Fleischburger durch einen fleischfreien Burger auszutauschen.

„Diese Produkte werden mit Gewinn verkauft, also kann es besser sein, stattdessen ein Gemüse-Curry auf die Speisekarte zu setzen und auf diese Weise Ihre Kosten zu senken.“

Seit Einführung der neuen Richtlinie im Juli hat WeWork ein komplett fleischfreies „Sommercamp“ organisiert. Dort konnten die Mitarbeiter zwischen über 30 Street Food-Anbietern wählen, außerdem wurde an einem der Londoner Standorte in Zusammenarbeit mit dem Street Food-Kollektiv KERB ein vegetarischer Markt eingeführt.

Die britische Vegetarian Society steht jedenfalls zu 100 % hinter dem extremen Ansatz des Coworking-Riesen. „Wir finden es großartig, dass sie ihre Umweltverantwortung ernst nehmen und das wird einen großen Unterschied machen“, sagte Geschäftsführerin Lynne Elliot der Thomas Reuters Foundation. „Wir hoffen, dass weitere Unternehmen nachziehen werden.“

 

 

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