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Draußen ist das neue Drinnen

Von: Lesezeit: 4 Minuten
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Daran wird man sich gewöhnen müssen: Corona ist Dauergast und die Maßnahmen steuern das Geschäft – mal mehr, mal weniger spürbar. Aber selbst der strengste Lockdown endet irgendwann und dann heißt es wieder: Draußen genießen – mit Sicherheit! Frischluft und Weite sind das Geheimrezept für Gastfreundschaft in Zeiten von Covid. Das Beste: Herbst und Winter sind nicht mehr das Ende der Outdoor-Gastronomie. Coole Ideen machen warm ums Herz!

Heimelig schimmern die Lichtchen in den frühen Abend hinaus; wie behagliche Inseln erscheinen die beiden gemütlich beleuchteten Glashäuschen im Innenhof der Poststuben im südhessischen Bensheim-Auerbach.

Gastro Weihnachtsgeschäft Restaurant Ideen Glashaus

Image: Poststuben

„Die Idee stammt vom Gastro-Objekt Mediamatic Eten in Amsterdam, ich hatte darüber in einem Fachmagazin gelesen“, berichtet Mit-Inhaberin Sonja Schittenhelm, die damit im Außenbereich sogar Plätze hinzugewann. Die passenden Gewächshäuser zu finden, war gar nicht so leicht. Zwei Dachöffnungen und eine Platz sparende Schiebetür mussten sie haben, aus echtem Glas sein und von ordentlicher Qualität. Corona machte aus den angekündigten zwei bis drei Wochen Lieferzeit zwölf. Mittlerweile stehen die Häuschen – und werden auch bei kühlen Temperaturen hervorragend angenommen. „Beheizt sind sie mit Infrarotstrahlern, aber es ist trotzdem Außenbereich. Die Luft zirkuliert und so soll es ja auch sein“, betont Sonja Schittenhelm. Auch sonst gilt: Safety first. Obwohl die Häuschen mit 6 m2 recht geräumig sind, bleibt der Service nach Möglichkeit an der Türe stehen. „Und wir haben in unserer Karte die Bitte stehen, dass wenn es eng wird, die Gäste uns auch mal den Teller entgegenreichen. Das funktioniert super“, so die Fachfrau.

Außen Gastro trotz Corona im Winter

Image: Pier 6

Über wohl gesonnene, kooperative Gäste freut sich auch Steffen Heumann, Inhaber des Pier 6 in Bremerhaven. Bei ihm heißt es: Drinnen ist das neue Draußen. Da er seine direkt am Wasser gelegene Terrasse in der kühlen Jahreszeit nicht ohne weiteres bespielen kann, hat er die Vorzüge des Essens im Freien kurzerhand nach drinnen verlegt und sorgt durch kräftiges Stoßlüften für Sicherheit. „Ja, es ist dann eher schattig“, gibt er zu. „Die Gäste sollen für die Lüftungsperioden die Jacke mit an den Tisch nehmen, das wird ja von der Politik wegen Corona eh vorgegeben.“ Aber alles halb so wild:  Die Heizung läuft und auch die Frischluft wird erwärmt. Außerdem warb Heumann kräftig um Akzeptanz. „Auch wir fühlen mit!“, schrieb er in seinem Newsletter „Ich wollte zeigen: Auch wir frieren in unseren Blüschen und Hemden“, betont er. „Ich möchte die Gäste dafür sensibilisieren, dass man in die verantwortungsbewusste Gastronomie gehen kann!“ Die Botschaft kommt an. „Die meisten finden es toll!“

Restaurant Outdoor bei Corona Winter

Image: Restaurant März

Nur noch draußen – so heißt es derzeit beim Restaurant März in Berlin. Den Innenraum zu betreiben ist mit reduzierter Platzzahl schlicht nicht wirtschaftlich. Dafür sitzt man jetzt draußen auf herrlich warmen Heizkörpern. Drei Monate hat Inhaber Mirko Meuche mit einem befreundeten Installateur an dem gemütlichen Konzept gewerkelt. Ausrangierte Heizkörper wurden in liegender Position in maßgeschneiderte Holzbänke integriert und mit Rohren verbunden. Gespeist werden sie aus einem propangasbeheizten Wassertank auf der Terrasse. Auch an Frostschutzmittel wurde gedacht. Der Winter kann kommen! „Die Gäste sind begeistert und empfinden die Bänke deutlich angenehmer als Heizpilze“, freut sich Meuche.

Außengastro im Winter für Corona Geschäft

Image: Restaurant März

Dass es ohne Heizpilze geht, beweist auch Anna Maria Maaß, Geschäftsführerin vom Restaurant Gendarmerie in Berlin Mitte. Hier wärmen Heizkissen die Gäste, die es sich auf der Terrasse bequem machen. Aber nicht irgendwelche Heizkissen! Man entschied sich für das Modell heatme mit intelligentem Sensorsystem, das die Heizung automatisch einschaltet, sobald ein Gast sich auf das Kissen setzt, und ausschaltet, wenn er aufsteht. Der leistungsstarke wiederaufladbare Akku bringt das Kissen im Nu auf wohlige 40 Grad Kerntemperatur. Entwickelt wurden die Kissen von Heatscope und BF Engineering, erhältlich sind sie bei Moonich. „Die Idee hat eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Maaß über die mediale Resonanz. Und freut sich über ein wesentlich höheres Gästeaufkommen und Gäste, die nun viel länger und voller Genuss beim Essen bleiben.

Gastro Weihnachtsgeschäft Restaurant Ideen Glashaus

Image: Poststuben

Ebenso international wie Covid sind die Konzepte, mit denen Gäste auch im Winter den sicheren Außenbereich nutzen können. Im Maxwell’s in Islip im US-amerikanischen Bundesstaat New York laden zwei gemütlich beleuchtete, urig eingerichtete Iglus aus transparentem Plastik zum Verweilen – aber nur zwei Stunden lang. Für diese Dauer bucht man ein Iglu für bis zu acht Personen zum Preis von 150 Dollar. Darin enthalten: die erste Runde Getränke und ein eigener Kellner. Ein spezielles Iglu-Menü macht das Event komplett. Danach wird desinfiziert. Safety first!
Im Restaurant Aurum Food & Wine in Steamboat Springs im Colorado werden demnächst sogar Jurten aufgebaut, spezielle Restaurant-Jurten, die am Abend besonders romantisch aussehen, wenn das Licht durch die Stoffwände nach draußen schimmert. Damit sich die Sache lohnt, ist zur Buchung der Acht-Personen-Zelte ein Mindestumsatz von umgerechnet 430 € erforderlich, am Wochenende 680.
Draußen drinnen sein – das können auch die Besucher des jungen Gastro- und Kulturzentrums CityU market im Herzen von Bogotà in Kolumbien, wo transparente Kuppelzelte einen behaglichen Verbleib im Außenbereich versprechen – auch wenn’s mal regnet!
Fazit: Ein Lockdown ist nicht das Ende, sondern die beste Zeit für spannende Innovationen im Oudoorbereich, die man sich im laufenden Betrieb nicht erlauben könnte. Groß denken und weitermachen heißt die Devise. Und nicht vergessen: Profis bringen Gästeherzen auch an der frischen Luft zum Schmelzen!

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