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Pixel-Pasta: Werden 3D-Foodprinter die Gastronomie revolutionieren?

Von: Lesezeit: 4 Minuten
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Der Raum ist in sanftes pinkes Licht getaucht, die wenigen Sitzplätze werden von unten grün angestrahlt. An den Wänden wirbeln geometrische Figuren vorbei. Nichts ist grell, aber alles sehr futuristisch; ein bisschen Raumschiff und Labor in Einem. Vor den Gästen steht eine Apparatur, die gebannt beobachtet wird.

Und dann geht es los: Wie aus dem Nichts manifestiert sich eine filigrane Muschel aus Süßkartoffel-Kürbis-Püree Schicht für Schicht auf dem Teller. Willkommen im 3D-Foodprint-Restaurant FoodInk, hier bekommt „druckfrisch“ eine ganz neue Bedeutung.

Beef tartar ex machina

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Image: 3DFP Ventures Ltd.

FoodInk will seinen Gästen die ultimative 3D-Erfahrung bieten: Von der Tischdeko über das Besteck bis hin zum Menü kommt alles aus dem 3D-Printer. Gleich zu Beginn gibt es eine VR-Brille auf die Nase, die die Gäste auf eine Reise durch den Weltraum entführt. Während man also gemütlich durch die unendlichen Weiten des Universums fliegt, reicht das FoodInk Team die Vorspeise. Das gesamte Ambiente des Pop-up-Restaurants ruft „Zukunft“!

Mit seinem Konzept ist das Restaurant auf der ganzen Welt unterwegs und dabei nicht allein: Die kulinarischen Druckerzeugnisse finden mehr und mehr ihren Weg in die Spitzengastronomie – seien es amerikanische Snacks mit französischen Einflüssen im kalifornischen Mélisse oder Pasteten-Prints im katalanischen La Boscana. Während also mancher Otto Normalverbraucher noch im erbitterten Krieg mit den Fehlermeldungen des eigenen Druckers steckt, entsteht woanders schon Beef-Tatar aus der Maschine. Gut, da ist irgendwann auch die Patrone leer – manche Dinge bleiben, wie sie sind. Im Grunde ist es eben auch nur Technik.

Breidimensional – wie kommt das Essen aus dem Drucker?

Star-Trek-Fans auf der ganzen Welt haben es schon immer gewusst: Das Curryhuhn mit Reis und Mohrrüben aus dem Replikator kann Wirklichkeit werden! Zumindest fast – 3D-Foodprinter gehen schon ein gutes Stück in diese Richtung. Nur wird das Essen hier nicht einfach gebeamt, sondern schichtweise gedruckt.

Im Prinzip kann jede Zutat im pürierten Zustand für den Druck verwendet werden. In eine Kartusche eingefüllt, wird sie in den Foodprinter eingesetzt. Die gewünschte Form kann über eine WLAN-Verbindung einfach abgerufen oder über eine entsprechende App ausgewählt werden. Der Rest funktioniert wie bei einem „normalen“ Drucker, nur eben schichtweise. Es werden also einzelne Schichten übereinander gedruckt, bis eine dreidimensionale Form entstanden ist. Aufgrund der unterschiedlichen Düsen müssen keine Stabilisatoren hinzugefügt werden, um das Gericht stabil zu halten. Wissen und Erfahrung braucht es allerdings, denn jedes Lebensmittel reagiert anders „unter Druck“.

Damit die unterschiedlichsten Rohstoffe verwendet werden können, wächst die Auswahl an 3D-Foodprintern stetig: Der Choc-Edge aus Spanien kreiert filigranste Kunstgebilde aus Schokolade, mit dem ChefJet wird Zucker zu geometrischen Formen gesponnen, der Foodini zaubert Pizza, Pasta und Quiche – da bleibt kein kulinarischer Druckauftrag unausgeführt.

Foodtrend Foodprint

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Image: 3DFP Ventures Ltd.

Experten sind sich jetzt schon sicher: Foodprinting wird definitiv eine Rolle in der Gastronomie und zuhause spielen. Im Gegensatz zu den Massenprodukten der Industrie sollen die smarten Fooddrucker unsere Ernährungsweise auf ein neues, gesünderes Level heben. Bewahrheitet sich die Vision der Hersteller, ermöglichen die Drucker in Zukunft die Herstellung frischer und gesunder Gerichte für Zuhause – maximale Transparenz, minimaler Zeitaufwand und planbar bis zum Mikronährstoff. Den Zutaten können nach Bedarf Vitamine und Mineralien zugesetzt werden, und das ganz unkompliziert.

Die Möglichkeit, Lebensmittel gleichen Aussehens mit unterschiedlichen Nährstoffen zu versehen und auf jeden Verbraucher individuell abzustimmen, bedeutet eine Revolution für die Lebensmittelforschung. Ein gewöhnlicher Morgen könnte dann so aussehen: Nach dem Aufstehen misst ein Touchpad unseren Nährwertbedarf: Oha, Calciummangel! Ein Knopfdruck und der 3D-Foodprinter serviert das Frühstück nährwertoptimiert. Personalisierte Lebensmittel für jeden? Food-Experten rechnen damit schon in den nächsten zehn Jahren.

Druck Tales – Chancen für die Gastronomie

Für die Gastro-Branche bietet diese Möglichkeit der Individualisierung einen beinahe grenzenlosen Spielplatz. Personalisierte Pasta, atemberaubende Kreationen aus Schokolade und abenteuerliche Geometrie auf dem Teller: 3D-Foodprinting erlaubt Köchen, kreative Meisterwerke zu servieren, die von Hand nicht machbar wären – eine geniale Symbiose von Haute Cuisine und wissenschaftlicher Präzision.

Mateo Blanch, Koch im spanischen La Boscana, nutzt genau diese Symbiose, um seinen Gästen echte Erlebnisküche zu servieren. Sie sehen, wie sich ihr Dessert auf dem Teller manifestiert, eine präzise Spirale aus Schokolade. So fein und regelmäßig, dass sie eine beinahe hypnotische Wirkung entfaltet – Geschmack und visuelles Erlebnis par excellence.

Foodprinter ermöglichen Köchen die Entfaltung kulinarischen Könnens auf einer neuen Ebene. Es gibt kein „zu kompliziert“ mehr, sondern eine Bühne für kreative Ideen und spektakuläre Sinneseindrücke. Oder wie Paco Perez, Koch im La Enoteca in Barcelona sagt: „Kreativität wird zu dem geformt, was Technologie kann.“

Foodprinting gegen Einheitsbrei

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Image: 3DFP Ventures Ltd.

Für die fünf Millionen Menschen, die deutschlandweit unter Dysphagie leiden, könnte das pürierte Essen in 3D-Form eine regelrechte Revolution bedeuten. Die Krankheit bewirkt eine schwere Schluckstörung, die es den Patienten unmöglich macht, feste Kost zu sich zu nehmen. Bisher werden deshalb pürierte Lebensmittel in Silikonformen zu einem ansprechenden Äußeren gepresst oder schlicht als Brei serviert. Für die Betroffenen ist das natürlich weder optisch ansprechend noch appetitanregend ­­– die Folgen sind Mangelernährung und der Verlust von Lebensqualität, denn das Auge isst bekanntlich mit. Ein Forscherteam der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf arbeitet deshalb seit Jahren daran, ganze Mahlzeiten in appetitlichen Formen zu drucken. Das Projekt birgt so viel Potenzial, dass es sogar durch die EU gefördert wird und schon bald in industriellen Dimensionen starten soll.

Und es gibt noch mehr! Wer kennt sie nicht, die traurigen Bananen mit Druckstellen im Supermarkt? „Schluss mit Obst-Diskriminierung und Verschwendung!“ sagt Studio H, ein Start-up aus Südafrika, und will mit dem Salad 2.0 beschädigtes Obst wieder schön machen. Allein in Deutschland werden jährlich elf Millionen Tonne Lebensmittel weggeworfen. (Quelle) Ein großer Teil deshalb, weil Obst und Gemüse nicht den optischen Ansprüchen der Konsumenten genügen. Das Projekt Salad 2.0 will genau dieses Problem angehen. „Unansehnliche“ Früchte werden zu schmackhaftem Fruchtpüree verarbeitet und im Anschluss mittels des 3D-Foodprinters in kreative Formen gebracht. Damit bekommen die verschmähten Vitaminbomben nicht nur eine zweite Chance, auch Kindern könnten gesunde Lebensmittel spielerisch nähergebracht werden.

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