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Der Koch und sein Heer

Von: Lesezeit: 4 Minuten

Sie sind jung, ehrgeizig und kennen keine Grenzen – die Guerilla Chefs. Eine Gruppierung, die sich von einem gemeinsamen Spirit und Ziel treiben lässt: Kreativität, Spaß und Wertschätzung wieder in den Alltag zu integrieren. Wir wollten mehr darüber erfahren und haben bei Simon Kolar, Leader und Mitgründer der Köche-Revolution, nachgefragt.

simon kolar Guerilla Chef ICA

Simon Kolar, Mitbegründer der Guerilla Chefs / Image: Steffen Walter Studios

Simon, was sind die Guerilla Chefs überhaupt?

Guerilla Chefs sind kein bloßer Zusammenschluss oder ein Verband von Köchen. Guerilla Chefs sind eine Bewegung, ein Spirit, ein Kodex. Wir verbinden Menschen ohne Grenzen. Es ist egal, ob sie eine Kochlehre abgeschlossen haben, einfach nur gerne kochen oder drei Michelin-Sterne haben. Gemeinsam mit dem Präsidenten des Institute of Culinary Art, Gerhard Bruder, habe ich die Guerilla Chefs ins Leben gerufen.

Ein Guerilla definiert sich durch den Spirit, den er in sich trägt. Wir geben Menschen eine Bühne, um etwas bewegen oder besser gesagt „reißen“ zu können. Bei uns zählen der Zusammenhalt und der gemeinsame Weg. Guerilla Chefs ist das Third Place für Köche, an dem sie Anerkennung, Rat, Unterstützung und Motivation finden. Das Schöne ist, wir wachsen nicht durch Akquise, wir wachsen durch Überzeugung. Jeder, der einmal den Guerilla Spirit gespürt hat, möchte andere Kollegen daran teilhaben lassen.

Und welche Mission verfolgt ihr dabei?

Die Mission der Guerilla Chefs ist recht simpel und doch komplex. Wir wollen den Kochberuf wieder sexy machen. Wir verfolgen dabei komplett neue Ansätze, reißen den Kochberuf teilweise bis auf die Grundmauern nieder, schaffen neue Wege, neue Berufsfelder und Ausbildungsbereiche.

In eurer Branche ist der Fachkräftemangel ebenfalls ein großes Buzzword. Beschäftigen sich die jungen, wilden Guerillas damit?

Wenn wir mit Unternehmen sprechen, sprechen wir vor allem über Fachkräftemangel. Damit nicht alle ihr eigenes Süppchen kochen, gründen wir zum Beispiel die kostenfreie Guerilla Chefs Online Academy. Der Weg zu besseren Köchen, zu besseren Guerillas heißt Open Source. Denn das wichtigste Tool für die Guerillas ist das Know-how. Wir brauchen eine Plattform, auf der jeder unbegrenzten Zugang zu Wissen erhält und wo jeder lehren kann, was er „aus dem FF“ beherrscht. Das ist die Guerilla Academy, von Guerillas für Guerillas.

Hört sich spannend an. Hast Du Beispiele für uns, was ihr sonst noch so treibt?

Zusätzlich verfolgen wir das Ziel, Arbeitsplätze in Unternehmen zu schaffen und zeitgleich Ressourcen besser zu nutzen. Das ist meiner Meinung nach der einzige Weg, um den Beruf des Kochs wirklich attraktiver zu gestalten.

Nicht für jede Aufgabe in einem Unternehmen werden zwingend neue Mitarbeiter gebraucht. Manchmal reicht eine Guerilla Taskforce, ein Zusammenschluss von kreativen Guerillas, die sich außerhalb des Unternehmens um die Problemstellung kümmern.

Für die Aufgaben, die das Unternehmen langfristig voranbringen, braucht man den Einen, den Richtigen und muss ihm oder ihr beste Konditionen bieten können.

Wir ermöglichen es den Guerillas, kreativ aus ihrem Alltag auszubrechen, ohne den Job wechseln zu müssen. Zum Beispiel bei unseren Großevents mit Live-Cooking für bis zu 2.000 Personen oder in den weltweiten Guerilla Camps. In unserem Camp in der Toskana können sie eine Woche lang auf Farmen mitarbeiten, sich wieder mit der Natur und ursprünglichen Produkten verbinden und alles über das Mindset für nachhaltigen Erfolg lernen. Ein Koch, der das erlebt hat, bringt eine unglaubliche, neue Dynamik zurück in sein Unternehmen. Das vergisst er nie wieder.

Simon Kolar Institute of Culinary Art

Team der Guerilla Chefs / Image: Steffen Walter Studios

Wenn wir mal an das Jahr 2025 denken: Was würdest Du machen, um den Kochberuf bis dahin attraktiver zu gestalten?

Ich denke, das Thema wurde in den letzten Jahren zu oberflächlich betrachtet. Es ist meiner Meinung nach an der Zeit, nicht nur krampfhaft zu versuchen, Köchen bessere Arbeitsbedingungen zu verschaffen. Es ist vielmehr an der Zeit, den Beruf an sich zu überdenken und ihn an die modernen Marktbedingungen anzupassen. Sowohl seitens der Unternehmen als auch seitens der Köche.

Vor allem brauchen wir meiner Meinung nach:

  1. Neue zeitgemäße Ausbildungsmodelle, die an den spezifischen Bedarf des Marktes angepasst sind. Zum Beispiel eine kürzere, intensivere Ausbildung, die Köche bereits nach einem Jahr mit einem vollen Gehalt ins Arbeitsleben starten lässt. Das wäre meiner Erfahrung nach der erste Schritt, um mehr Menschen wieder in die Küchen zu bekommen.
  2. Die Einbindung von Köchen in tiefere Prozesse wie Rezeptentwicklung, Forschung und Management. Wir brauchen neue Perspektiven und Berufsbilder, um engagierte Köche noch effizienter in unsere Unternehmen einzubinden. Wir vergessen häufig, dass wir die motivierten Menschen dafür bereits haben, wir müssen sie nur besser fördern und weiter ausbilden. Viele wissen gar nicht, welche vielfältigen Jobs auf dem Arbeitsmarkt auf sie warten.
  3. Die Möglichkeit, sich frei entfalten zu können, ohne den Job ständig wechseln zu müssen. Wir planen ein Rotationsmodell für Azubis, um während der Ausbildung von Sterneküche bis Cateringbetrieb alles sehen zu können. Das ist Input, der einen unglaublichen Wert für das ausbildende Unternehmen hat, er wird jedoch häufig noch nicht erkannt.

Simon, was war bisher deine verrückteste Guerilla-Aktion?

Die verrückteste Aktion war zeitgleich die erste. Ich bekam einen Anruf von Gerhard Bruder, ob ich die Netzwerkveranstaltung des ICA in Berlin bekochen wollte. Ich sagte direkt ja, auch wenn keiner wusste, wie das genau gehen soll. Ich bin weder Caterer noch habe ich so viele angestellte Köche. Es sollten immerhin 12 Gänge live für knapp 400 Personen gekocht werden.

Ich hatte die Idee, einen Aufruf über mein Instagram-Profil zu starten und postete auch gleich eine Story. Nach nur 30 Minuten war das Team komplett mit 15 Köchen. Nach zwei Stunden habe ich die Story wieder gelöscht, da es schon 30-40 Bewerber gab.

Bis zum Event zwei Monate später kannten wir uns alle ausschließlich über Instagram und WhatsApp. Wir haben das komplette Menü, die Organisation und Kommunikation über Social Media und das Handy abgewickelt. Wer das Event erlebt hat, weiß, dass es sensationell gelaufen ist. Es war unglaublich. Es war der Grundstein unserer Bewegung.

Dann spielt Social Media in deinem Beruf eine größere Rolle als man vermutet, oder?

Social Media ist Dreh- und Angelpunkt in meinem Job. Man mag es kaum glauben, aber ich bin recht spät zu Instagram gekommen – ich glaube es war 2016.

Mittlerweile sind die sozialen Medien die Basis unseres Erfolgs. Sie ermöglichen es uns Projekte zu organisieren und Freundschaften zu pflegen, wie es gerade unter Köchen früher fast unmöglich war. Mittlerweile haben wir Guerillas, die befreundet sind, ohne sich jemals live gesehen zu haben. Und das ist weit mehr als eine oberflächliche Bekanntschaft, sie sind durch den gemeinsamen Spirit verbunden.

Die Guerilla Chefs in Action

Die Guerilla Chefs in Action

Image: Steffen Walter Studios

Die Guerilla Chefs in Action

Die Guerilla Chefs in Action

Image: Steffen Walter Studios

Die Guerilla Chefs in Action

Die Guerilla Chefs in Action

Image: Steffen Walter Studios

Die Guerilla Chefs in Action

Die Guerilla Chefs in Action

Image: Steffen Walter Studios

Die Guerilla Chefs in Action

Die Guerilla Chefs in Action

Image: Steffen Walter Studios

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Verdienst du dein Geld noch klassisch über deine Tätigkeiten am Herd?

Bis dato habe ich mehrere Standbeine gehabt. Eines war mein Restaurant in Mannheim, das bei TripAdvisor & Co. zu einem der besten zählt. Außerdem habe ich meine eigene Film- und Videoproduktion, die hauptsächlich Clips für Social Media-Projekte und Musikvideos produziert. Mittlerweile bin ich ausschließlich für die Guerilla Chefs-Projekte aktiv und berate Unternehmen der Food-Branche im Social Media und Produktbereich.

Was uns mit den Guerilla Chefs wichtig war, ist die Freiheit, mit unserem Schaffen anfangs nicht kommerziell sein zu müssen. Die Betonung liegt auf „müssen“. Überall, wo der kommerzielle Gedanke überwiegt, geht ein Stück Idealismus verloren. Unser Idealismus ist unser größter Wert.

Und abschließend die wichtigste Frage: Wie werde ich Teil Eurer Bewegung?

Es ist recht simpel. Zunächst kann jeder ganz unverbindlich Teil unserer Facebook & Instagram Community werden. Hier kann jeder alle Vorteile nutzen, auch die App und die Academy, die in den nächsten Wochen starten.

Wer Full Member werden möchte, wendet sich am besten direkt an uns. Derjenige sollte den Kodex der Guerillas befolgen und für unsere Werte einstehen. Wenn das gegeben ist, erhält er oder sie Zugriff auf unseren Workspace, wo alle miteinander in einem geschlossenen Social-Media-Netz verbunden sind.

Danke für deinen Einblick, Simon.

Details zur kostenlosen Guerilla Academy und App

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