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Let´s connect! Food-Transparenz dank Blockchain

Von: Lesezeit: 3 Minuten

Lebensmittel-Skandale der letzten Jahre wie Pferdefleisch in Fertig-Lasagne aber auch ein gesteigertes Gesundheits- und Ethikbewusstsein hat vielen Verbrauchern vor Augen geführt, wie wenig sie eigentlich über die meisten Lebensmittel wissen, die sie kaufen und essen. Die Folge ist eine rasant steigende Nachfrage nach mehr Transparenz und Information darüber, wo und unter welchen Umständen einzelne Lebensmittel und Produkte hergestellt werden und über welche (Um-)Wege sie im Einkaufswagen landen. Blockchain Technologie scheint den Schlüssel zu diesem Bedürfnis zu liefern.

Transparenz ist das Schlüsselwort des 21. Jahrhunderts. Viel zu unübersichtlich ist es in unserer globalisierten, digitalen und vernetzten Welt geworden. Die Sehnsucht nach Überblick wird immer größer. Yuval Noah Harari schreibt gleich am Anfang seiner „21. Lektionen für das 21. Jahrhundert“: „In einer Welt, die überschwemmt wird mit bedeutungslosen Informationen, ist Klarheit Macht.“
Das gilt auch und vor allem für einen Bereich, mit dem wir uns zwangsläufig täglich auseinandersetzen: Lebensmittel. Immer mehr Menschen wollen wissen, was sie essen, wo ihr Essen herkommt, wer es unter welchen Umständen produziert hat oder welche Inhaltsstoffe es beinhaltet. Für Supermärkte und Gastro-Betriebe führt das zu der Notwenigkeit, diese Informationen jederzeit liefern zu können. Das Zauberwort dafür lautet: „Blockchain“.

Blockchain als Transparenz-Treiber

Blockchain ist die Technologie hinter den verschiedenen Kryptowährungen, die ursprünglich aufgebaut wurde, um Banken und Zwischenhändler in Finanztransaktionen zu ersetzen.
Das Blockchain-Prinzip verändert langsam aber stetig jedoch auch die Grundstruktur vieler anderer Sektoren im Bereich Logistik, Gesundheit – und Lebensmittel.

Die Technologie kann dabei zum Transparenz-Treiber für Konsumenten werden, bietet aber auch viele Vorteile für die Marktteilnehmer wie Landwirte, Fabrikanten oder Einzelhändler. Die Einsatzmöglichkeiten reichen vom Nachverfolgen der Nahrungsmittel über die Qualitätssicherung bis hin zu Informationen über die Produkte im Handel und Verkauf.

Die CryptoTec AG aus Köln bietet beispielsweise ein „Track & Trace“ – Verfahren an, mit dem man Produkte während der Lieferkette in Echtzeit kontrollieren kann. Über GSM-fähige Sensoren kombiniert mit Blockchain-Lösungen lässt sich in jeder Phase innerhalb der Supply Chain ein Statusbericht über den Standort der Ware sowie die momentane Luftfeuchtigkeit und Temperatur abrufen. Da die Daten über die Sensoren in die Blockchain gesendet werden sind nachträgliche Manipulationen ausgeschlossen. Eine automatische Verknüpfung mit Smart Contracts gewährleistet zudem die Einhaltung und Verifizierung abgeschlossener Verträge.
Für Lebensmittel wie Fleisch oder Fisch ist die so wichtige durchgängige Kühlkette gut nachvollziehbar – und falls diese nicht eingehalten wird, kann sofort und gezielt eingegriffen werden.

„Connecting the information dots“

Der Einzelhandels-Riese Walmart hat einen exemplarischen Traceback-Test mit Mangos durchgeführt. Die eindrucksvollen Zahlen: ohne Blockchain dauert es 6 Tage, 18 Stunden und 26 Minuten um die Ursprungsfarm der jeweiligen Mangos zurückzuverfolgen. Mit Blockchain dauert es 2,2 Sekunden.

Eine weitere Idee hin zu verknüpften Informationen ist das Block Bird’s Huhn – ein bis jetzt nur als Konzept existierendes Huhn, entwickelt von „The Future Market“, einem Projekt der New Yorker Food-Design- und Innovationsagentur Studio Industries und der Plattform Alpha Food Labs.
Mithilfe einer interaktiven Verpackung (basierend auf der sogenannten E-Ink-Technologie verknüpft mit IoT-Sensoren in den Zuchtbetrieben) können alle erwünschten Informationen sofort abgerufen werden: Fütterung, mögliche Medikamentierung, Haltungsbedingungen, Alter, Schlachtung und Weiterverarbeitung sowie Einhaltung der Kühlkette.

Neben dem Frischeversprechen bestimmter Lebensmittel bringen Fragen nach Nachhaltigkeit und Ethik den Qualitäts-Begriff auf eine neue Ebene. Denn durch die Transparenz in der Lieferkette ermöglichen die Blockchain-Technologien weitere Vorteile. Regionale Produzenten werden stärker unterstützt und das Label „Fair Trade“ wird wieder mit Substanz gefüllt.

Das Zeitalter der „essbaren Ethik“

Das Verlangen nach Wissen und Information impliziert zunehmend auch eine ethische Komponente. Hanni Rützler spricht in ihrem Food Report 2019 von einer „essbaren Ethik statt industrieller Effizienz“. Bei fast allen erfolgreichen Start-Ups im Lebensmittelsektor sei zu beobachten, dass sie in ihrer Online-Präsenz, bei Informationen über die Produktion sowie im Vertrieb auf „essbare Ethik“ und damit auf eine „Überwindung des alten industriellen Paradigmas“ setzen, welches vor allem Effizienz zum Ziel hatte.
Digitale Technologien liefern nicht nur die Möglichkeiten der unmittelbar verfügbaren Informationen, sondern können auch Bilder erzeugen – und damit auch gleich ein Gefühl der Nähe mit transportieren. Denn über die Informationen, die die Verbraucher über einen QR-Code oder per Near Field Communication bekommen, können sie einen viel konkreteren Bezug, beispielsweise zu den Kakaobauern in Südamerika herstellen, die die Basis für ihre Lieblingsschokolade liefern. So entsteht eine neue Bindung, die auf Vertrauen und dem Gefühl von Selbstermächtigung basiert.
Der finnische Schokoladenhersteller Goodio meldet Anfang 2019, dass er fünf bis zehn Millionen US-Dollar in die Blockchain-Technologie investieren möchte, um die Lieferkette für Kakao transparenter zu gestalten. Das Unternehmen, das seine Kakaobohnen direkt von Landwirten aus Peru, Ecuador und Kongo bezieht, will die Kakao-Industrie damit nachhaltiger, gesünder und vertrauensvoller machen.

Trendprognose

Die Lebensmittelbranche wird zum Vorreiter in Sachen Transparenz, denn die Blockchain Technologie macht den Zugang zu Informationen so einfach und niedrigschwellig wie nie zuvor. Per Smartphone und dem jeweiligen QR- Code lassen sich Orte der Erne bei Obst und Gemüse oder Daten bei Fleisch, wie das Geburtsdatum des Tieres, der Einsatz von Antibiotika, Schutzimpfungen, der Ort und die Art der Haltung und Schlachtung sehr gut abrufen. Die Herausforderung liegt jedoch darin, dass alle Akteure in der gesamten Lieferkette mitmachen und die entsprechenden Informationen zu Verfügung stellen – eine Form der Dezentralisierung, die automatisch auch Machtverhältnisse verschieben wird.
Setzt sich die Technologie aber erst einmal durch – und das wird sie – werden all jene Akteure  besonders stark davon profitieren, die sich schon zu Beginn damit auseinander gesetzt haben.

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