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Von einem lernt alle

Von: Lesezeit: 3 Minuten

Eine Stadt schreibt Gastro-Geschichte. Während in anderen Teilen der Welt die Uhren in gewohntem Tempo weiterticken, scheint in Kopenhagen die Zukunft schon angebrochen. Offenbar bietet die dänische Hauptstadt idealen Nährboden für frische Ideen. Wie sonst ließe sich erklären, dass Restaurants wie das Noma, das Amass, der Food Market Reffen, The Alchemist oder die geplante Gastro-Akademie MAD hier ihre Wurzeln haben?

Dabei beschränkt sich die progressive Haltung mitnichten auf kulinarische Konzepte. Während man in Brüssel und Madrid noch über die Klimaziele für 2050 verhandelt, entsteht in Kopenhagen bereits seit fünf Jahren ein neues klimaneutrales Stadtviertel. Nordhavn, ein ehemaliges Industriegebiet, das sich nördlichen der Innenstadt anschließt, ist der Schauplatz einer massiven Transformation. Neben nachhaltiger Wohnbebauung soll hier bis Mitte der kommenden Dekade ein neues Designzentrum entstehen. Internationale Designfirmen wollen hier ihre Headquarter aufschlagen und werden von Nordhavn aus operieren. Kopenhagen besinnt sich damit auf eine seiner Kernkompetenzen – dänisches Interior Design – und schafft mit einem ökologischen Ansatz einen zeitgemäßen Rahmen. Und die Stadtplaner gehen noch einen Schritt weiter. Denn statt Fast-Food-Ketten wünschen sie sich hier selbstredend ausgewählte Restaurants – ihre kuratierte Ansiedelung wird mit öffentlichen Mitteln unterstützt.

Ein disziplinübergreifender Ansatz, der bereits sein Role Model gefunden hat: Mitte 2019 eröffnete The Audo, ein ganzheitliches Ensemble aus Headoffice, Concept Store, Co-Working-Space, Gastronomie und Luxus-Unterkunft. Hinter dem Projekt steckt Bjärne Hansen, der Gründer des dänischen Interior-Design-Brands Menu. Er suchte eine neue Bleibe für seine Marke, träumte gleichzeitig von einem Retail Space und einem gastronomischen Anlaufpunkt. Außerdem wünschte er sich ein Hotel, um seine Interior-Design-Kollektion in einem lebendigen Umfeld zu präsentieren. Warum nicht alles verbinden? Hansen suchte Mitstreiter und fand sie in Jonas Bjerre-Poulsen, Mitbegründer des renommierten Architekturbüro Norm Architekten, und dessen Partner Peter Eland, mit denen Menu schon an der rustikalen Einrichtung des Kopenhagener Restaurant Höst gearbeitete hatte, sowie Nathan Williams vom Kinfolk Magazin. Gemeinsam verwandelte man eines der ältesten Gebäude der Gegend, ein neobarockes Handelshaus von 1918, in das pulsierende Herz des aufstrebenden Design-Distrikts.

Restaurant Lola x The Audo Summer Pop-up

Image: Restaurant Lola x The Audo Summer Pop-up,
photography by Armin Tehrani

Und so verbirgt sich hinter den altehrwürdigen ochsenblutroten Mauern an der Århusgade nun ein modernes architektonisches Schmuckstück. Indem sie das Gebäude im Erdgeschoss von den meisten Innenwänden befreiten, schufen Norm Architekten ein luftig hohes Entree, das gleichzeitig als Lobby, Café-Restaurant und Meeting-Point dient und von einem marmornen Thekenmonolith beherrscht wird. Eine imposante zentrale Treppe führt in die erste Etage, rechterhand weisen einige Stufen in den erhöht gelegenen Menu-Concept-Store, in dem neben Einrichtungsgegenständen auch eine ganze Reihe inspirierender Bücher und Bildbände warten. Die erste Etage gehört dem Headoffice und den Co-Working-Spaces. Auch hier wurden alle störenden Wände entfernt – viel Glas steht für die Transparenz in der Firmenphilosophie und schafft eine großzügige Atmosphäre. Ein intimer Kontrast dazu: die zehn in warmen Erdtönen gehaltenen Gästesuiten im Obergeschoss, in denen die Menu-Möbel, -Leuchten und -Heimaccessoires unmittelbar erlebbar werden. Wände in warmen Terrakotta- und Brauntönen, rustikale Holzbalken, opulente Betten, natürliche Materialien, wie Holz, Leder und Bouclé-Wolle, sowie luxuriöse Marmorbäder – das Audo präsentiert sich als ein Rückzugsort der Extraklasse.

The Audo Concept Store

Image: The Audo

„Wir wollten einen neuen Ansatz schaffen, der sich durch Transparenz, Offenheit, das Teilen von Wissen und eine enge Zusammenarbeit der Partner auszeichnet“, erklärt Hansen. So stammen die edlen Holzböden allesamt von der dänischen Firma Dinesen, die Betten vom schwedischen Familienunternehmen Dux, Geberit und Hans Grohe steuerten die sanitären Anlagen bei. Dass auch sie von dem Showroom-Charakter der Zimmer profitieren, ist ein gewünschter Synergieeffekt. „Nicht nur wir, auch unsere Partner werden die Einrichtung der Suiten regelmäßig austauschen und jeweils ihre Produkte präsentieren“, erklärt Hansen die Herangehensweise. Nicht selten dienen die Räume auch als Kulisse für Produktaufnahmen. Und Hansens Creative-Collaboration-Versprechen bleibt kein Lippenbekenntnis. The Audo beherbergt darüber hinaus eine Bibliothek mit Materialproben und Musterbüchern seiner Designpartner. Konsequenter kann man dem eigenen Credo wohl nicht folgen. ‚Audo‘ nämlich ist ein Akronym des lateinischen ‚ab uno disce omnes‘ – übersetzt ‚von einem lernt alle‘. Eine Lektion, die Hoteliers und Gastronomen nicht genug beherzigen können.

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