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CBD: Bahnbrechende Neuerung oder kurzlebige Mode?

Von: Lesezeit: 4 Minuten
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CBD, THC, Hanf und Cannabis – von Trendsettern werden diese Stoffe als der nächste große Hit für Foodservice-Anbieter gepriesen, doch die Gesetzgeber sind nach wie vor skeptisch.

Ob Veganismus, Cronuts, die Atkins-Diät – sie alle standen für eine Zeit lang im Rampenlicht. Die etwas älteren Semester erinnern sich vielleicht auch noch an die Fondue-Welle in den 1970ern.

Es ist keineswegs einfach, eine aufkeimende Welle oder sogar einen richtigen künftigen und zugleich beständigen Trend vorherzusagen, doch drei bestimmte Buchstaben werden 2020 und die Zeit danach sicherlich prägen: CBD.

Die Abkürzung steht für die Verbindung Cannabidiol, die ebenso wie sein berühmtes psychoaktives Gegenstück Tetrahydrocannabinol (THC) zur Familie der Cannabinoiden gehört. Beide Substanzen werden aus Hanf- und Cannabispflanzen extrahiert und lassen sich auf vielerlei Weise als Arznei, in der Küche oder zur Entspannung verwenden.

Den Statistiken zufolge nimmt der Markt an Fahrt auf. Nach Schätzungen des internationalen Finanzdienstleisters Barclays könnte sich der weltweite Cannabishandel in den nächsten zehn Jahren auf sage und schreibe 272 Milliarden US-Dollar nahezu verdoppeln. Laut einer Umfrage der National Restaurant Association sehen drei Viertel der befragten Chefköche Speisen mit CBD- und Cannabis-Infusion als den großen Food-Trend in diesem Jahr.

Es besteht jedoch ein erheblicher Unterschied zwischen einer frühen Vorahnung und der Bestimmung eines Trends. Der CBD-Markt gewinnt an Bedeutung, doch wird er wirklich die Foodservice-Szene in den nächsten zehn Jahren so eindeutig prägen? Und falls ja: Wie können angehende Chefköche das Beste daraus machen?

CBD – raus aus der Schmuddelecke

Cannabinoid-Produkte haben einen Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung erfahren und sich von den Hinterzimmern dubioser Läden und Coffeeshops in die Foodservice-Branche herausgeboxt. Die amerikanische Einzelhandelsunternehmerin Martha Stewart plant für dieses Jahr eine Linie mit CBD-Produkten. Hanf- und CBD-Extrakte sind mittlerweile in ganz Europa und in den USA tragende Säulen in Gesundheitsgeschäften.

Dort, wo CBD besser etabliert ist, sind die finanziellen Vorteile offensichtlich. Dies zeigt ein Blick nach Kanada, wo Cannabis Ende 2018 legalisiert wurde. Laut einer Untersuchung von GlobalData wurde das Land dadurch „zum weltweiten Zentrum für den legalen Handel mit Marihuana“. Der Produzent Aurora Cannabis mit Sitz im kanadischen Edmonton ist inzwischen führender Anbieter für den wachsenden deutschen Markt für Cannabis als Arzneimittel und konnte seit 2016 eine Umsatzsteigerung von 370 % verzeichnen. Beherzte Start-ups schaffen den Sprung zum globalen Konzern.

Die Firmen sind darauf aus, die neu erhältlichen Cannabinoide in ihr bestehendes Angebot aufzunehmen. Dooma Wendschuh, CEO und Gründer des kanadischen Unternehmens Province Brands, hat eines der ersten direkt aus Cannabis gebrauten Biere entwickelt. „Getränke könnten zur beliebtesten Form des Marihuanakonsums hier in Kanada werden“, erklärt er. „Es war unheimlich schwierig, das Produkt richtig hinzubekommen, aber nun haben die Verbraucher die Wahl und eine Alternative zu Kaffee oder Alkohol.“ Die wegweisenden handwerklichen Brauereien sehen Bier mit THC-Extrakten als das nächste große Neuland, das es zu erkunden gilt.

Der fruchtbarste Boden für Experimente? Die Restaurantküche. Wagemutige Restaurantbetreiber setzen hohe Maßstäbe beim kreativen Umgang mit CBD. Der gute alte Haschkuchen ist inzwischen schon beinahe antiquiert. Chefköche haben erkannt, dass die einzelnen Marihuanasorten unterschiedliche Aromen liefern; man denke an einen kräftigen Umami-Kick  zur Abrundung eines Mac and Cheese oder eine buttrige Zitrusnote zu  Meeresfrüchten.

Wachstumsbremse?

Bei all dem Optimismus ist das Wachstum nach wie vor unstet. „Aktuell herrscht weltweit immer noch große Uneinigkeit beim gesetzlichen Umgang mit der Droge. In vielen Ländern wird das sehr differenziert gehandhabt“, heißt es in einem Bericht von GlobalData über die wichtigsten weltweiten Wachstumsindustrien .

Das ist noch milde ausgedrückt. Zwar schreitet die Liberalisierung in Europa und in Nordamerika stetig voran, doch in anderen Regionen ist man deutlich weniger wohlwollend gegenüber dem CBD-Gründergeist. In Teilen Südamerikas und Afrikas, wo Cannabis gesetzlich entkriminalisiert oder nicht mehr verfolgt wird, müssen die Start-up-Unternehmen rechtliche Grauzonen ausloten. Andere Märkte insbesondere im Nahen Osten und in Asien sind diesbezüglich absolute Gefahrenzonen.

Auch die dauerhafte Verfügbarkeit der Cannabinoid-Produkte ist nicht sichergestellt. Fast drei Viertel der amerikanischen Wähler finden, die Regierung sollte sich aus der Drogenregulierung heraushalten. Präsident Trump hat bei dem Thema jedoch umgeschwenkt, und das sogenannte STATES Act (das Haschischraucher in US-Bundesstaaten, in denen Cannabis legal ist, vor bundesstaatlichen Eingriffen verschonen würde) hatte anderthalb Jahre damit zu kämpfen, um die Parteilichkeit im Kongress zu durchdringen.

Währenddessen bringt die Politik auf den größten europäischen Märkten die Gesetzgebung zur Liberalisierung von Cannabis nur langsam in Gang. Selbst medizinisches Marihuana wird nur zögerlich legalisiert (in Deutschland z. B. erst nach einem Urteil des BGH). Dies alles weist darauf hin, dass die Diskussion alles andere als beendet ist – ganz gleich, was die CBD-Lobby vorbringt.

Darüber hinaus sind einige Unternehmen besser als andere aufgestellt, um die anschwellende Nachfrage zu bedienen. So sind z. B. bei Aurora die Umsätze in die Höhe geschnellt, doch auch die Schulden sind seit 2017 um 67 % gestiegen. Dies liegt vermutlich an den hohen Fixkosten für die Anlagen und Ressourcen zur Erzeugung und Verarbeitung des Marihuanas. Unternehmen, die auf der CBD-Welle mitreiten wollen, können ohne ausreichenden Kapitaltalpuffer leicht dabei untergehen.

Jetzt investieren oder später bereuen

Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass CBD geradezu die ganze Welt erobert. Im Gegenteil: Die Resonanz auf dem Markt war eher zu positiv. In Kanada etwa war die Nachfrage nach Cannabis so riesig, dass die Produkte mit THC-Infusionen in den staatlich anerkannten Verkaufsstellen noch am Tag der Legalisierung ausverkauft waren.

Trotz der gesetzlichen und kulturellen Unterschiede ist eine Kehrtwende in der Cannabispolitik bei den der frühzeitigen Anwendern kaum vorstellbar. Außer in Kanada ist Cannabis noch in elf anderen Staaten in Amerika vollständig legal. Die Legalisierung in Südafrika und in Georgien sowie die Entkriminalisierung in Spanien und Portugal geben der Bewegung weltweit Halt. Es wird davon ausgegangen, dass eine teilweise Entkriminalisierung in Australien den Produzenten von Cannabinoiden den Weg in den heiklen Markt im Nahen Osten und in Asien öffnen könnte.

CBD Schokolade

LoveChock CBD Schokolade / Image: LoveChock

Laut Prognosen sind auf dem CBD-Markt allein in Amerika in den kommenden Jahren bis 2023 eine jährliche Wachstumsrate von mehr als 100 % zu erwarten. Die Beliebtheit von CBD-Produkten unter jüngerem Publikum ist dabei ein Garant für diese Entwicklung. Die meisten Cannabiskonsumenten in Amerika gehören mutmaßlich der Millennial-Generation an. Da sie wahrscheinlich auch weniger Alkohol trinken als ihre Eltern, ist der demografische Wandel für die CBD-Branche eine gute Nachricht.

Man muss wie einer dieser innovativen Gastronomen denken. Die einzelnen Marihuanasorten haben unterschiedliche Geschmacksprofile, und jedes kann einem hausbackenen Menü eine sprichwörtlich einzigartige Würze verleihen. Um bei all dieser Vielfalt den Einstieg zu finden, hilft vielleicht ein Blick auf die frühzeitigen Anwender in den USA und in Kanada. Das Unternehmen Euphoric Food hat geradezu beispielhaft den Spagat zwischen Haute Cuisine und Cannabinoiden gemeistert. Einen bodenständigen Einblick in die Möglichkeiten, wie CBD die Essenskultur bereichern kann, gewährt der Anbieter mit dem wenig bescheidenen Titel Extravaganja.

Bereitschaft ist das A und O. THC und CBD können als Infusion, in Gebäck oder als Dampf konsumiert werden. Die Anbieter in den relevanten Märkten können viel gewinnen, wenn sie sich mit den Integrationsmöglichkeiten der Produkte in die bestehenden Produktlinien auseinandersetzen. Wenn die CBD-Legalisierung eintritt, stellen findige Betreiber vielleicht fest, dass es gar nicht so schlecht ist, ein fertiges Produkt aus dem Hinterzimmer vorholen zu können.

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