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Bringt den Fleischersatz ins Spiel

Von: Reading Time: 4 Minutes
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Auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow ging es in erster Linie um die dringende Forderung, unsere Lebensweise zu ändern, um den verheerenden Klimawandel abzuwenden. Den Anfang dazu könnten wir machen, indem wir bewusster auf unsere Lebensmittel achten – wobei die vegane Ernährung eine immer größere Rolle spielt. Aber hat dieser Trend auch künftig Bestand?

Im Oktober 2021 wurde mit Schrecken verkündet, dass die Aktien von Beyond Meat, dem Pionier für Fleischersatzprodukte, im September um 12 % gefallen waren – gegenüber den Höchstständen im Januar sogar ein Einbruch um 60 %. So reagierte der Markt darauf, dass das Unternehmen sein prognostizierte Umsatzziel um 30 % verfehlt hatte. Als einen der Gründe für den Rückgang nannte Beyond Meat das schwächelnde Geschäft mit dem Einzelhandel, was wiederum Spekulationen auslöste, der Markt für veganes Fleisch sei bereits im Sinkflug.

Beyond Meat Patty im Rohzustand

Beyond Meat Rohlinge / Image: Beyond Meat

Trendberichte aus aller Welt zeigen jedoch, dass der Appetit auf pflanzliche Fleischersatzprodukte noch zunehmen wird. Laut dem jüngsten Euromonitor-Bericht Trends Shaping the Future of the Food and Nutrition Industry (Zukunftsweisende Trends der Lebensmittel- und Ernährungsindustrie) zählen vegane Ernährung und alternative Proteine mit zu den zentralen Faktoren, die die größten Umwälzungen und Investitionen im Lebensmittel- und Ernährungsbereich auslösen.

Junge Frau beißt genussvoll in einen Pflanzen-Burger von Heura.

Image: Heura

Dem Bericht zufolge versucht weltweit etwa jeder fünfte Verbraucher (23 %), den eigenen Fleischkonsum einzuschränken, und 16 % möchten sich vegan zu ernähren. Als Motivationsgründe werden vor allem gesundheitliche Aspekte genannt: Fast zwei Fünftel (37 %) der Verbraucher von veganen Fleischalternativen entscheiden sich dafür, um gesünder zu leben. Eine ebenfalls wichtig Rolle spielen Umweltbewusstsein (21 %) und Tierschutz (19 %).

Nachhaltig und gesund

Vor Kurzem hielt Bernat Añaños Martinez, Mitbegründer und Marketingleiter des in Barcelona ansässigen Fleischersatzherstellers Heura, auf einer Podiumsdiskussion während der UN-Klimakonferenz im schottischen Glasgow eine leidenschaftliche Rede. Er kritisierte die Organisatoren dafür, dass der Fleischkonsum in den Diskussionen nicht zentral zur Sprache kam.

Founders of Heura holding plant based sausages.

Image: Heura

Dem 2017 gegründeten Unternehmen Heura gelang erst kürzlich der Markteintritt in Mexiko, wo seine zu 100 % pflanzlichen Produkte nun in den Geschäften von Walmart, City Market, Fresko und La Comer erhältlich sind. Shani Wright, Leiterin für globale Medienarbeit bei Heura, erklärte, man wolle den Mexikanern die Möglichkeit geben, ihre traditionellen Lieblingsgerichte auf nachhaltigere und gesündere Weise zuzubereiten und zu genießen. Zudem wäre es ein großer Triumph, wenn sie die 130 Millionen Menschen in Mexiko mitreißen könnten, sich der veganen Bewegung anzuschließen.

Der vegane Koch Alex Pirla, Autor des Kochbuchs Vegan Gourmet mit 20-jähriger Erfahrung im Beruf, leitet die kulinarische Abteilung von Heura. Er setzt sich stets für Lebensmittel ein, die zu einem ökologischeren und gesünderen Planeten beitragen. „In Heura-Produkten wird zu 100 % Olivenöl als Fett verwendet“, so Pirla. „Wir legen großen Wert auf klare Kennzeichnung und haben auch gegenüber anderen Fleischersatzherstellern 40 % weniger Zutaten in unseren Produkten. Unser ,Hühnchen‘ enthält 18 % Protein pro 100 g.“

 

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Neben den pflanzlichen Fleischersatzprodukten findet auch das künstlich aus tierischen Zellen kultivierte Fleisch viel Beachtung. Im Dezember 2020 kam in Singapur das erste für den menschlichen Verzehr zugelassene In-vitro-Fleisch in den Handel. Weltweit folgen nun auch andere Staaten dem Beispiel Singapurs und betrachten das im Labor kultivierte Protein als potenziell entscheidenden Faktor für die angestrebte Reduzierung der Treibhausgase und für die Ernährungssicherheit.

Wie sieht gedrucktes in-vitro Fleisch aus?

Image: HQUALITY | Adobe Stock Picture

Im vergangenen September gab der oscargekrönter Schauspieler und überzeugte Umweltschützer Leonardo DiCaprio bekannt, in Aleph Farms und Mosa Meat, zwei führende Unternehmen im aufstrebenden Markt für In-vitro-Fleisch, zu investieren.

„Eins der wirksamsten Mittel im Kampf gegen die Klimakrise ist die Umstellung unseres Ernährungssystem“, ist er überzeugt. „Mosa Meat und Aleph Farms bieten neue Möglichkeiten, um sowohl die weltweite Nachfrage nach Rindfleisch zu stillen als auch einige der dringendsten Probleme der derzeitigen industriellen Rindfleischproduktion anzugehen. Daher freue ich mich sehr, sie als Berater und Investor zu dürfen, wenn sie In-vitro-Rindfleisch an die Verbraucher heranführen.“

Prognosen zufolge soll der weltweite Fleischkonsum in den nächsten 30 Jahren um 40–70 % zunehmen. Kulturfleisch könnte eine Chance sein, diesen Bedarf auch ohne die fatale Umweltbilanz der konventionellen Rindfleischerzeugung zu befriedigen. Laut einer unabhängigen Studie zur Lebenszyklusanalyse könnte die Produktion von In-vitro-Rindfleisch im Vergleich zur industriellen Rindfleischproduktion die Klimaauswirkungen um 92 % und die Luftverschmutzung um 93% verringern sowie 95 % weniger Landflächen und 78 % weniger Wasser verbrauchen.

Durch die Kultivierung von Fleisch unter sterilen Laborbedingungen verringert sich auch das Risiko von Krankheitserregern und Verunreinigungen durch lebensmittelbedingte Krankheiten. Darüber hinaus werden weniger Antibiotika verbraucht, die in der industriellen Landwirtschaft großflächig zum Einsatz kommen.

Mit veganen Gerichten ein Sternerestaurant betreiben

Image: AdobeStock | aprilante

Eine grünere Zukunft

Trotz des überraschenden Kurseinbruchs von Beyond Meat bleibt der Markt für Fleischersatzprodukte in den kommenden Jahren offenbar ein wichtiger Wachstumsbereich. Durch die Thematisierung zentraler Umweltfragen auf dem UN-Klimagipfel hat sich der Blick auch auf die Umweltauswirkungen der weltweiten Fleischproduktion gerichtet, und die Verbraucher werden sich zunehmend bewusst, welche Kosten ihr Essverhalten tatsächlich für den Planeten verursachen.

Fleischfreie Alternativ-produkte sind ein wachsender Markt.

Image: Heura

Es setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass vegane Ernährung dabei einen Beitrag leisten könnte. Immer mehr Menschen steigen um auf eine vegane Ernährung – ein Beleg dafür, wie weit das Umdenken beim Essen weltweit vorangeschritten ist. Und solange Lebensmittelunternehmen wie u. a. Heura, Mosa Meat und Aleph Farms innovative Lösungen für einige unserer größten Herausforderungen finden und leckere Fleischersatzprodukte herstellen, dürfte der Trend weiter anhalten.

 

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Bryony Tinn-Disbury ist Mitbegründerin und CEO von Jack and Bry, einem aufstrebenden Food-Tech-Unternehmen, das pflanzliche Fleischalternativen aus der Jackfruit herstellt. Für seinen „Jackfruit-Burger“ wurde das Unternehmen unlängst mit dem Great Taste Award 2021 ausgezeichnet. Ihre Aussichten für diese Branche sieht Tinn-Disbury optimistisch. „Immer mehr Menschen steigen auf pflanzliche Lebensmittel und Getränke um. Das zeigt, wie weit die Umstellung bei der Ernährung weltweit vorangeschritten ist“, sagte sie.

Vegane Sterne-Restaurants sprießen aus dem Boden.

Image: Beyond Meat

Untersuchungen der Universität Oxford haben ergeben, dass der Verzicht auf Fleisch und Milchprodukte in der eigenen Ernährung den persönlichen CO2-Fußabdruck in Bezug auf Lebensmittel um bis zu 73 % verringern kann. Eine Umstellung der Essgewohnheiten wirkt sich also entscheidend zugunsten unseres Planeten aus. Gemeinsam mit dem Engagement der Unternehmen für vegane Alternativen für die Verbraucher und den politischen Veränderungen seitens der Politik bringt uns dies auf den Weg in eine grünere Zukunft.“

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