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Raus aus der Küche, Ran an den Gast!

Von: Lesezeit: 3 Minuten

Zeigt her eure Kochkunst. Zeigt euch selbst. Die hohe Kunst des Self Marketing ist gefordert, denn der Koch als Markensymbol kommt heute bestens an. Show-Talent und Kontaktfreude sind neue wichtige Zutaten des Erfolgs in der Gastronomie.

Wir waren im „Salt & Silver“ in Hamburg. Megakreative Küche, ungewöhnliche Gewürze, sagenhafter Wein und super Service. Zwischendurch kam Jo, der Chef, an unseren Tisch und erzählte, wie sie ihre Weine aussuchen… So macht es doppelt Spaß Freunden und Kollegen über einen Restaurantbesuch zu erzählen. Welches war wohl das Highlight des Abends? Die Self-Promotion des jungen, entspannten Chefs Johannes Riffelmacher.

Ein solcher Plausch macht den Restaurantbesuch zu einem wahren Lifestyle-Erlebnis. Eines, über das man spricht. So bekommt das Lokal sein Marketing quasi zum Nulltarif. Dreh- und Angelpunkt dafür sind ein kommunikatives Team und ein Chef, der es als seine Profession versteht, auf seine Gäste zuzugehen.

Self-Marketing personal Brand Koch

Thomas Kosikowski und Johannes Riffelmacher / Image: Salt & Silver

Lachen ist erlaubt

Was das angeht, haben sich die Zeiten eklatant geändert. In den 80er Jahren gab Paul Bocuse mit eigenen Kochshows den Startschuss für ein Medienspektakel um einen Küchenchef. „The Chef of the Century“ war der erste Sternekoch, der sich so prominent zeigte. Heute muss man nur die Food People im KTCHNrebel anschauen und sieht, dass es überall auf der Welt Küchenprominenz gibt. Ihre Fans wollen diese Vorbilder sehen. Nicht nur im TV oder auf YouTube sondern live in deren Restaurants.

Den Job am Herd zu machen, hat durch den Medienrummel enorm an Prestige gewonnen. Umgekehrt heißt das: Köche müssen raus auf die Fläche und ran an den Gast. Die Küche ist längst nicht mehr die einzige Bühne für den Koch. Auch an Tisch und Tresen kann ein Publikum im Sturm erobert werden. Im Sterne- wie im Stammrestaurant um die Ecke.

Die Gäste suchen eine Wohlfühl-Atmosphäre, in der man laut lachen kann, gerne gemeinsam mit dem Chef. Essen zu gehen hat seinen Ernst verloren. Heute gewinnen das Ambiente und das sympathische Team Kunden. Zum Restauranterlebnis gehört, den Küchenchef höchstpersönlich kennen zu lernen. Das ist es, wofür der Gast mit Freude zahlt.

Tradition versus Moderne

Sich hinter den eigenen Menükreationen zu verstecken, ist selbst für die Meister der alten Schule vorbei. Selbst die inzwischen 70-jährige deutsche Kochlegende Dieter Müller lädt heutzutage auf der eigenen Website seine Gäste dazu ein, ihm persönlich zu begegnen „…wenn Sie uns persönlich kennenlernen und gemeinsam mit uns am Herd stehen möchten, freuen wir uns Sie in unserer Kochschule begrüßen zu dürfen“.

Anziehungskraft Kochschule

Kochkurse im Restaurant sind tatsächlich ein großartiges Marketingmodul: Hier bekommt der Gast alles, was er sich wünscht: Unterhaltung, den persönlichen Kontakt, gutes Essen – und vielleicht nimmt er sogar noch ein paar Kniffe für den heimischen Herd mit. Das allerdings ist für die meisten Kochschüler sekundär.

Viele Gastronomen unterschätzen die eigene Anziehungskraft für den Gast und verpassen damit riesige Chancen. Jeder weiß, wie wichtig Marketing im stark umkämpften Gastronomiemarkt ist. Jeder weiß um die potentiell hohen Ausgaben für Werbung, sei es im Internet, auf entsprechenden Plattformen, im lokalen Städtemarketing – und doch verpasst so mancher die Chance auf kostengünstiges Self-Marketing.

Natürlich ist nicht jeder ein so sympathischer Entertainer wie Jamie Oliver, Nils Henkel, Cornelia Poletto oder Tanja Grandits, aber gerade Figuren wie sie beweisen: Personal Branding verschafft ein glaubhaftes, authentisches Markenprofil.

Self Marketing muss man lernen – oder delegieren

Weder in Deutschland noch in stärker selling-orientierten gastronomischen Ländern wie den USA und Japan ist die Vermarktung des Küchenchefs Bestandteil der Ausbildung. Tatsächlich ist es für angehende Köche ebenso wichtig wie für Servicekräfte den direkten Kontakt zum Kunden zu erlernen. Die Voraussetzungen, den Weg aus der Küche zum Gast zu finden, sind jedenfalls besser denn je.

Wem es gar nicht liegt, den Herd zu verlassen, dem bleibt die Möglichkeit, eine entsprechende Persönlichkeit anzuheuern. Ein Restaurantleiter, Floor Manager oder die beste Servicekraft können prädestiniert sein, diese Funktion übernehmen. Und den Küchenchef locken sie auf konkrete Nachfrage dann doch hervor.

Kniffe für das Self-Marketing, die jeder Küchenchef kennen sollte:

  1. Die Grundregel: Versteht euch als Marke und nutzt Self-Marketing als kostengünstige Marketinglösung. In der Gastronomie geht das einfacher als man denkt.
  2. Kommt hinter euren Kochtöpfen hervor und besucht den Gast an seinem Tisch oder öffnet die Küche und plauscht direkt am Tresen. Themen ergeben sich ganz von selbst.
  3. Seid sichtbar in den sozialen Medien: Füttert eure Accounts auf Facebook, Twitter, Instagram und Co regelmäßig mit neuen Inhalten und gebt Einblicke in das Leben hinter den Kulissen. Ihr könnt mit euren Fans direkt in Kontakt treten, Diskussionen anregen, Fragen stellen oder auch mal einen Witz machen. Diese Methode, eure Persönlichkeit zu zeigen, ist eine gute Alternative auch für zurückhaltendere Köche.
  4. Seid bereit fürs Bloggen. Wer mehr Platz für seinen Content braucht, kann sich auch auf einem eigenen Blog austoben. Gutes Storytelling ist heute die Essenz einer starken Marke und, um aus der Masse herauszustechen. Geschichten über Menschen, Hintergründe und Entwicklungen werden immer gern gelesen und bauen eine emotionale Beziehung zu euren Kunden auf.

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