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Restaurant 4.0: AFFECTIVE HOSPITALITY

Von: Lesezeit: 2 Minuten

Das Restaurant der Zukunft, 4.0 quasi – es ist Gegenstand von ­Trendforschung, Wettbewerben und wilder Spekulationen. KTCHNrebel hat sich in ein digitales Klassenzimmer gesetzt und gut aufgepasst.

»Beim Eingang schon geben die Gäste nicht nur ihr Handy ab, sondern auch ihre Hemmungen.« Wie bitte? Was sich anhört wie aus einem Hollywood-Filmchen beschreibt das Siegerprojekt eines Nachwuchs-Wettbewerbs zum Thema »Restaurant der Zukunft«. »Lucullus Palace« nennt sich die gewollte Provokation, die die Jury der 8. Auflage des »Gastronomie 4.0«-Contests überzeugt hat – Veranstalter: Fachzeitschrift »Gastronomie Report«.

Ob wirklich eines Tages Gäste durch einen See von »White Russian«-Cocktails schwimmen, darf wohl bezweifelt werden, aber das Konzept zeigt eines: es geht um Emotion. Um Erlebnis. Nun ist das nicht ganz neu, man denke nur an »Dinner in the dark« oder »Krimidinner«. Oder das Buch »The Experience Economy«, erschienen 1999! Aber: In den Zukunftsszenarien wird der Faktor Emotion immer wichtiger, er wird Grundvoraussetzung. In der Schweiz hat diesen Herbst das Restaurant »Elysium« eröffnet – ein digitales Klassenzimmer der »EHL Swiss School of Tourism and Hospitality«. Im digitalen Restaurant lernen die Studenten, Emotionen zu konstruieren – visuelle, olfaktorische und haptische Stimuli pushen das Erlebnis Gourmetküche. KTCHNrebel hat sich mit dem Direktor Michael Hartmann zum Thema »Affective Hospitality« unterhalten.

Restaurant 4.0: affective hospitality

Image: SSTH

Beim Konzept der »Affective Hospitality« stehen die individuellen Emotionen der Gäste im Mittelpunkt. Es scheint, als eröffne heute kein Restaurant oder Hotel mehr ohne möglichst zugespitztes Konzept. Ist hier irgendwann die Klimax denn nicht erreicht?

Ich denke nicht, dass hier ein Ende in Sicht ist. Aber: Handwerklich nicht gut gemachte, oft systemgastronomisch geprägte Konzepte verwässern ernsthaft gute Geschichten – hier versucht man marketingtechnisch zu manipulieren und nicht authentisch zu stimulieren. Hier wird sich die Spreu vom Weizen trennen.

Der häufig prognostizierte Wandel von der Dienstleistungs- zur emotional getriebenen Gesellschaft: In welchem Zeitraum erwarten Sie diesen?

Grundsätzlich kann man sagen, dass sich Trends innerhalb von Branchen unterschiedlich entwickeln – bzw. ausprägen. So wird die Hotellerie und Gastronomie in der bekannten Digitalisierungsmatrix nicht von einem frühzeitigen und radikalen »Big Bang« erschüttert. Stattdessen wird hier die Digitalisierung genutzt, um Prozesse zu optimieren und multisensorisch zu stimulieren. Solche Stimulierungen entsprechen dem Trend, ganzheitliche Emotionen zu erzeugen – diese werden abgespeichert und führen dazu, dass die Gäste wiederkommen. Diesbezüglich sind wir aber erst am Anfang!

Das »Elysium« als Prototyp – denken Sie, dass solche Restaurants irgendwann gehobener Mainstream werden?

Mit unserem »Elysium«, das quasi ein digitales Klassenzimmer für unsere Studenten darstellt, wollen wir eine Art »Blue Print« für mögliche gastronomische Zukunftskonzepte erstellen. Die Ausprägungen können hierbei unterschiedlich sein, aber das multisenso­rische Erzählen einer Geschichte in einer bühnenähnlichen Umgebung wird sicherlich die Zukunft sein.

Über die SSTH

Seit 50 Jahren bildet die m 5(SSTH) Fach- und Führungskräfte für die Hotellerie und Gastronomie aus. Von der beruflichen Grundbildung über die Höhere Berufsbildung (Dipl. FH-Abschluss) bis hin zum akademischen ­Bachelor. Vermittelt werden neben traditionellen Service- auch emotionale Kompetenzen. Die ­Jugendlichen werden zu Bühnen-Regisseuren ­ausgebildet, ­SSTH-Absolventen sollen Empathie und Effizienz miteinander verbinden können.

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