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Die Helden der Gastronomie im Jahr 2020

Von: Lesezeit: 3 Minuten

Für die meisten Menschen auf der Welt war 2020 sicher ein Jahr voller schmerzlicher Erinnerungen, die man am liebsten schnell vergessen möchte. Doch wir sollten uns die Zeit nehmen, um die wegweisenden Leistungen einiger außergewöhnlicher Persönlichkeiten für die Gastronomie zu würdigen

Für Gewöhnlich werden in Jahresrückblicken jene großen Persönlichkeiten aus Gastronomie und Foodservice gefeiert, die etwa einen weiteren Michelin-Stern gewinnen konnten oder von der Fachpresse für die Kreierung eines neuen Küchenstils bejubelt wurden. Gezeigt werden Bilder von strahlenden Hotelmanagern, die ihre Belegungsrate gesteigert haben, oder von Gastronomen, die ihre Gäste- und Umsatzziele toppen konnten.
Doch 2020 war kein Jahr wie jedes andere. Es war ein Jahr voller Leiden, Strapazen und Überlebenskampf. Deshalb wollen wir 2020 jene als Helden der Gastronomie feiern, die sich alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, um der extrem bedrohten Branche beizustehen. Grade die Gastronomie musste wegen der Corona-Pandemie und der Einschränkungen zur Eindämmung der rasanten Virusausbreitung einen Rückschlag nach dem anderen hinnehmen.
Insofern wollen wir den folgenden couragierten und inspirierenden Personen ein herzliches „Danke schön“ sagen, denn sie haben viel riskiert und sich für Berufskollegen eingesetzt, die mehr denn je in der jüngeren Geschichte auf Hilfe angewiesen waren. Es ist eine Ehrerweisung für diejenigen, die sich für das Gute eingesetzt haben, die geholfen, unterstützt und malocht haben und vielfach große Beträge für die Schwachen in unserer Gesellschaft gesammelt oder gespendet haben.
Diese Liste ist keineswegs erschöpfend, und es gibt noch zahlreiche weitere Frauen und Männer, die gerade in diesem besonders schweren Jahr unseren Dank und unsere Anerkennung verdienen.

1) José Andrés

Als wäre ihm sein bisheriges Engagement für eine lebenswertere, bessere Welt noch nicht genug, hat der spanisch-amerikanische Koch, Gastronom und Gründer von World Central Kitchen (WCK) 2020 irgendwie noch eine Schippe draufgelegt. Einmal mehr hat Andrés mit seinen phänomenalen Kollegen bei WCK unter Beweis gestellt, wie sehr gerade er in Krisenzeiten Probleme bewältigen kann, und sich nicht nur innerhalb der Branche, sondern weltweit Anerkennung verschafft. Die gemeinnützige Organisation WCK, die Menschen in Katastrophengebieten mit Essen versorgt, war 2020 überall in den USA aktiv, um individuell verpackte, frische Mahlzeiten an hilfsbedürftige Gemeinden zu verteilen.
Bislang hat WCK mehr als 33 Millionen Mahlzeiten in mehr als 400 Städten der USA verteilt. Darüber hinaus kooperiert WCK über seine Initiative #ChefsForAmerica mit amerikanischen Restaurants und vermittelt Arbeitsplätze und Mahlzeiten für Bedürftige.

 

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2) Tracy Chang

Die aufstrebende US-Köchin Tracy Chang, Inhaberin des Pagu in Cambridge im Bundesstaat Massachusetts sowie 2020 Halbfinalistin im James-Beard-Wettbewerb „Best Chef: Northeast“, hat auch 2020 wieder Außergewöhnliches vollbracht.
Nach Ausbruch der Pandemie hat sie schnell gehandelt und zwei gemeinnützige Organisationen mitbegründet: Die Initiative „Off Their Plate“ unterstützt in neun US-Städten die in vorderster Front arbeitenden Beschäftigten im Gesundheitswesen und bietet Restaurantmitarbeitern wirtschaftliche Entlastung, das Projekt „Restore Us“ versorgt wiederum Familien der besonders relevanten Arbeitnehmer in einkommensschwachen Gebieten mit Lebensmitteln, die von Restaurants zusammengestellt wurden.

3) Guy Fieri

Der wasserstoffblonde Koch im Flammenhemd hat in nur sieben Wochen die unglaubliche Summe von 21,5 Millionen Dollar gesammelt, um arbeitslose Restaurantmitarbeiter in den USA zu unterstützen.
Fieri, der selbsternannte „Bürgermeister von Flavortown“, hat im März 2020 die Stiftung Restaurant Employee Relief zur Unterstützung von Restaurantpersonal gegründet. Seitdem hat die Stiftung etwa 43.000 Menschen mit Zuschüssen in Höhe von 500 Dollar ausgeholfen.
Der Gastgeber der TV-Sendung Diners, Drive-Ins, and Dives war auch Initiator des Dokumentarfilms Restaurant Hustle 2020, der die Widrigkeiten in der Restaurantbranche thematisiert.

4) Kate Nicholls OBE

Die Leiterin von UKHospitality, der „Stimme des britischen Gastgewerbes“, war 2020 unermüdlich in Aktion. Nachdem die britische Regierung die Klagen der Gastronomie angesichts der historisch beispiellosen Überlebenskämpfe offenbar ignoriert hatte, setzte sich Nicholls für eine zügige finanzielle Unterstützung der Branche ein, um die enormen Jobverluste und die dauerhafte Schließung vieler britischer Gaststätten abzufedern. Mit dem daraufhin gestarteten staatlichen Programm „Eat Out to Help Out“ (auswärts essen um zu helfen) ist es mehr als 49.000 Betrieben gelungen, das Publikum nach dem ersten Lockdown wieder in ihre Lokale zu locken und dank der Initiative über 849 Millionen Pfund an Umsatz zu erwirtschaften.
Zudem rief Nicholls die britische Regierung dazu auf, Ersatz für das britische Programm zur Sicherung von Arbeitsplätzen zu schaffen, um das Mietmoratorium und Zuschüsse zur Unterstützung von Unternehmen zu verlängern. Dank ihrer Bemühungen zur Schaffung eines neuen britischen Gastronomieministeriums wird am 11. Januar 2021 im britischen Parlament endlich über dieses Amt debattiert.

Image: Kate Nicholls OBE

5) Marcus Rashford, Mitglied des Order of the British Empire

Für Marcus Rashford ist es nicht damit getan, einer der besten internationalen Nachwuchsfußballer zu sein. Daher hat er beschlossen, seinen Namen und seine Bekanntheit als Spieler zu nutzen, um auch abseits vom Platz Positives zu bewirken. Der Star von Manchester United und englische Nationalspieler, der, wie er mehrfach betont hatte, selbst aus armen Verhältnissen stammt, war so entrüstet über die britischen Regierung, die sich gegen Essenszuschüsse für bedürftige Kinder in den Schulferien entschied, dass er die Sache kurzweg selbst in die Hand nahm und über die sozialen Medien für Unterstützung warb.
Als die britische Regierung sich weigerte, das Programm für kostenlose Schulmahlzeiten auf die Schulferien auszuweiten, startete Rashford eine Petition. Angeregt von seiner Kampagne, engagierten sich lokale Unternehmen in ganz Großbritannien ebenfalls für die Versorgung von Kindern. Durch seine Bemühungen war die Regierung zu einer weiteren Kehrtwendung gezwungen, sodass der Premierminister schließlich zusätzlich 400 Millionen Pfund für kostenlose Schulmahlzeiten genehmigte. Ein brillanter Spielzug von Marcus!

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