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Die Gastronomie verbannt Einwegplastik

Von: Lesezeit: 5 Minuten
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Die Vorreiter im Kampf der Gastronomie gegen das Einwegplastik. Plastik, das ehemals gepriesene Material mit seinen unzähligen praktischen Vorteilen, ist mittlerweile in der Öffentlichkeit zunehmend verpönt. Vermutlich durchaus zu Recht. Denn von allen jemals produzierten Kunststoffen wurden bisher gerade einmal 9 % recycelt, insofern wird das Müllproblem weltweit nicht nur auf den Deponien, sondern auch für die Ozeane, Strände und die Bevölkerung immer gravierender.

Das Thema wird auf der ganzen Welt intensiv diskutiert, und mehrere Regierungen forcieren den Wandel bereits mithilfe von Regulierungen. So hat etwa China im Januar angekündigt, bis 2025 alle Einwegartikel aus Plastik landesweit zu verbieten. Dies ist auch eine Reaktion darauf, dass die größte Mülldeponie des Landes bereits 25 Jahre früher als geplant völlig überfüllt ist.

Da unsere Abfälle nicht nur die Umwelt, sondern auch unsere Lebensmittel belasten, sind die Auswirkungen auf die Gastronomie durchaus erheblich. Dort werden Kunststoffe schließlich überall eingesetzt, um Lebensmittel und Getränke sicher zu transportieren oder für lange Qualität frischzuhalten. So stehen die Hersteller und Lieferanten in der Gastronomie nun plötzlich im Mittelpunkt der Debatte.

Generationenübergreifend wird ein grundlegendes Umlenken insbesondere im Umgang mit Einwegplastik gefordert, doch den Unternehmen fällt es schwer, mit dem Wandel zügig genug Schritt zu halten und zugleich weiterhin die Ansprüche der Verbraucher an hohe Servicestandards zu erfüllen.

Gastro Plastik Restaurant

Image: Adobe Stock | qwartm

Der letzte Strohhalm

Für viel Aufsehen sorgten die Gegenreaktion gegen die beiden US-Riesen Starbucks und McDonald’s, als diese im Juli 2018 verkündeten, künftig auf Plastikstrohhalme zu verzichten. Fortan sollte es nur noch neuartige Deckel bzw. Strohhalme aus Papier geben, doch es hagelte Kritik, die Papierversion sei nicht stabil genug, während bestimmte Gruppen bemängelten, bei der Umstellung sei man nicht auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen eingegangen.

Als McDonald’s auf die Beschwerden hin einen dickeren Papierstrohhalm einführte, stellte sich zudem heraus, dass die stabilere Version noch nicht ausreichend wiederverwertet werden konnte und sich das allgemeine Abfallproblem so im Grunde noch verschärfte.

Seitdem sind in vielen Gastronomiebetrieben Papierstrohhalme in unterschiedlichen Stärken bereits etabliert, und andere plastikfreie Strohhalmvarianten aus Metall, Glas oder Bambus werden von den Kunden immer besser angenommen.

„Das soziale Bewusstsein der Verbraucher nimmt ausschließlich zu“, meint die FCSI-Gastroberaterin Arlene Spiegel, Präsidentin von Arlene Spiegel & Associates, Inc. in New York. „Umweltschädliche Materialien wie Styropor, Plastik oder Strohhalme können die Unternehmen nicht länger verwenden.

Dadurch sind sie gezwungen, über ihr gesamtes Handeln nachzudenken und sich damit zu beschäftigen, ob es sich positiv oder auch negativ auf das Kundenerlebnis auswirkt.“

Infolge dieses zunehmenden sozialen Bewusstseins werden auch immer mehr wiederverwendbare Becher benutzt. Tassen und Flaschen für Unterwegs gibt es zwar schon seit Jahrzehnten, doch Hersteller wie KeepCup (Australien), Ecoffee Cup (Großbritannien) und Stojo (USA) haben sich besonders gut auf diesen neu belebten Mehrweg-Markt eingestellt, wozu auch verschiedene Anreize seitens der Kaffeehäuser bis hin zu eigens geschaffenen Markenoptionen beitragen.

bakery customer is paying

Image: Landbaeckerei Sinz

So bietet z. B. Nero zusätzliche Treuemarken, und Pret A Manger gewährt Preisnachlass, denn die großen Kaffeeketten in Großbritannien begreifen inzwischen, dass es sich lohnt, nachhaltiges Verbraucherverhalten zu fördern.

„Wir verpflichten uns ganz klar dazu, die Auswirkungen auf die Umwelt zu begrenzen, und die Reduzierung von Abfall aus Kaffeebechern steht für uns an erster Stelle“, erklärt Ellen Jones, Leiterin im Bereich Nachhaltigkeit bei Pret.„Wir gehen die Herausforderung auf verschiedene Weise an. Wir regen z. B. die Kunden an, wiederverwendbare Tassen mitzubringen, wir haben Recyclingpunkte für Kaffeetassen im Geschäft und darüber hinaus ein Mehrweg-Geschirr für unsere Kunden im Restaurant eingeführt. Uns ist bewusst, dass es noch eine Menge zu tun gibt, aber die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend.“

Im Januar 2018 verdoppelte Pret den Preisnachlass für Kunden, die ihren eigenen wiederverwendbaren Becher mitbringen, auf 50 Pennys. Die Kaffeekette serviert nun jede Woche über 150.000 Getränke in wiederverwendbaren Bechern und hat so schätzungsweise mehr als 10 Millionen Papierbecher eingespart.

Bestätigung erhält dieses Vorgehen durch eine Studie der Cardiff University und der britischen Kaffeerösterei Bewley’s aus dem Jahr 2016. In Großbritannien werden jährlich schätzungsweise 2,5 Milliarden Einweg-Kaffeetassen verwendet und erzeugen dadurch etwa 25.000 Tonnen Abfall. Mit dem richtigen Mix aus Anreizen könnte dieser Müllberg laut der Untersuchung um 50 bis 300 Millionen Tassen pro Jahr reduziert werden.

Dazu zählen finanzielle Anreize ebenso wie wiederverwendbaren Alternativen und eine konkrete Aufklärung der Verbraucher über die Umweltfolgen von vermeidbarem Müll. Am effektivsten war überraschenderweise nicht der Preisnachlass für selbst mitgebrachte Becher, sondern eine Gebühr für die Verwendung eines Einwegbechers.

Verschwende nicht die Ressourcen von morgen

Doch wie wirkt es sich auf die Gastronomie aus, wenn solche weitreichenden Veränderungen umgesetzt werden? Die Reduzierung von Einwegbechern und Plastikartikeln ist nur eine der Maßnahmen, die der unabhängige britische Gastro- und Cateringanbieter CH&Co auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit umsetzt.

„Wir in der Gastronomie haben die Chance, bei der Vermeidung von Plastik mit gutem Beispiel voranzugehen, und dieser Aufgabe und Verantwortung wollen wir gerecht werden“, sagt Emma Hill, Gruppenleiterin für Lebensmittel, Gesundheit, Sicherheit und Umwelt bei CH&CO. Diese Aufgabe geht das Unternehmen in umfassender Weise an, indem z. B. die eigenen Mitarbeiter in der Vermeidung von Einweg-Kunststoffverpackungen und bewährten Recycling-Verfahren geschult werden und man gemeinsam mit den Lieferanten nach Wegen sucht, Kunststoffverpackungen durch leichter recycelbare Materialien wie Glas, Papier oder Maisstärke zu ersetzen.

„Da wir stets den größeren Zusammenhang im Blick haben und alle Möglichkeiten zur Reduzierung von Kunststoffen erkunden, statt nur einzelne Problemstellen anzugehen, können wir eine viel größere Wirkung erzielen“, erklärt Emma Hill. Dieses Verständnis für den kontinuierlichen Lebenszyklus von Produkten und deren Zusammenhänge ermöglicht es dem Unternehmen, gemeinsam mit seinen Kunden sinnvolle Strategien zu entwickeln, die sowohl der sozialen Unternehmensverantwortung, als auch logistischen Kapazitäten und Kostenaspekten gerecht werden.

Zudem sollte einem bewusst sein, wie wichtig es ist, dass in den vorhandenen Abfallströmen auch Nachhaltigkeitsziele verfolgt werden. „Es macht zum Beispiel keinen Sinn, in kompostierbare Becher zu investieren, wenn sie im vorhandenen Abfallstrom nicht verarbeitet werden können und letztlich auf der Deponie landen“, erklärt Hill. „Auch wenn es offensichtlich scheint: Eine Alternative ohne Plastik ist nicht zwangsläufig besser für die Umwelt.“

Innerhalb von nur 12 Monaten hat das Unternehmen 1,3 Millionen Plastikflaschen eingespart und so den Plastikabfall um ganze 25 Tonnen reduziert.

Manche Küchen gehen aber gleich noch mehrere Schritte weiter. So ist das vegane Restaurant Frea in Berlin besonders stolz auf sein „Zero Waste“-Konzept. Der Betrieb kommt ganz ohne Mülltonnen aus und kompostiert stattdessen alle Abfälle vor Ort zu einem Bodenersatzstoff, der wiederum an die eigenen Zulieferer-Bauernhöfe zurückgegeben wird.

Möglich ist dies, weil Frea überwiegend frische lokale Zutaten verwendet und dadurch auf Plastikverpackungen verzichten kann. Das Angebot an pflanzenbasierten saisonalen Gerichten soll nicht zuletzt auch dazu beitragen den ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten.

Der in Nordwestengland geborene Chefkoch von Frea, Halfdan Kluften, arbeitete zuvor bei dem britischen Koch Douglas McMaster in dessen Zero-Waste-Restaurant Silo in Brighton. Das mittlerweile nach London umgezogene Silo will demonstrieren, dass es möglich ist, sowohl vorzüglich zu kochen und zugleich als nachhaltiges Restaurants finanziell tragfähig zu sein.

griechisches Essen, vegan

Image: AdobeStock | valya82

Das Blatt wendet sich

Die Geschichten von Gastronomen und Lieferanten, die Kunststoffe erfolgreich verbannt haben und sich aktiv für eine Reduzierung ihres CO2-Fußabdruck einsetzen, machen Hoffnung für die andernfalls aussichtslose Aufgabe in unserem Kampf für eine nachhaltigere Zukunft.

Zu diesen Unternehmen zählt auch Starbucks, das sein Engagement für die Umwelt vor Kurzem verdoppelt hat. Die riesige Kaffeekette nennt es selbst das auf mehrere Jahrzehnte ausgelegte, mutige Bestreben, ressourcenfreundlich zu werden und mehr zu geben, als sie dem Planeten nimmt. Dafür hat sich Starbucks unter anderem zum Ziel gesetzt, bis 2030 die CO2-Emissionen, den Wasserverbrauch und den auf Deponien entsorgten Abfall um 50 % zu reduzieren.

Eigenverpflichtungen wie diese verdeutlichen, wie viele Möglichkeiten es für die Gastronomiebranche gibt, um gemeinsam zu einer effektiven Verringerung von Einwegplastik und einer höheren Recyclingquote beizutragen. Gute Gründe, sich dieser Revolution anzuschließen!

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