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Corona – eine Chance für die Gastro?

Von: Lesezeit: 3 Minuten
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Unternehmen wie das Wiener »Steirereck« machen es vor und heben sich vom Mitbewerb ab. Sichern Sie sich den entscheidenden Vorsprung!

In Zeiten der Krise ist der Wettbewerb nicht ausgesetzt. Mehr denn je haben nun Hoteliers und Gastronomen die Möglichkeit mit kreativen Wegen ihre Marke für die »Zeit danach« fit zu machen. Social Media ist präsenter denn je. Die Medien stürzen sich auf gute Storys. Wer profitiert in der Krise?

Lieferdienste boomen, aber auch Gastronomen machen von der Möglichkeit des Zustelldienstes Gebrauch. Produzenten von Hygiene-Artikeln, aber auch Produzenten von Fertiggerichten und Convenience-Produkten verzeichnen Rekord-Umsätze. Alexandra Gorsche sprach mit Kommunikations-Berater und PR-Profi Michael Pech, der verrät, wie man mit zielgerichteter Kommunikation in der Krise gewinnt.

Die Branche befindet sich in einem noch nie da gewesenen Ausnahmezustand. Vielen fällt es schwer, hier Chancen zu erkennen. Was kann man tun?

Michael Pech: Der erste Tipp ist: So schnell wie möglich raus aus der Schockstarre. Es sind jene Tage, in denen schwierige Entscheidungen anstehen – kündige ich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder nutze ich die Möglichkeit der Kurzarbeit? Schon hier bietet sich die erste Chance. Diese Frage darf nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht beantwortet werden. Denn auch nach Corona wird es das Problem des Fachkräftemangels geben.

Gute Arbeitskräfte sind rar und Unternehmen investieren viel Geld und Energie, um Top-Mitarbeiter anzuziehen und zu halten. Wer jetzt optimale und vielleicht sogar außergewöhnliche Lösungen für seine Mitarbeiter erzielt und diese richtig nach außen kommuniziert, hebt sich ab und gewinnt für die Zukunft einen entscheidenden Vorteil am Markt. Und diese »Good News« medial zu erzählen, ist derzeit so einfach wie selten zuvor.

Wie ist das zu verstehen?

Michael Pech: Es gibt aus verständlichen Gründen einen medialen Fokus auf alles zum Thema Corona und dieser wird noch eine Zeit lang anhalten. Das funktioniert wie ein Schlüssel zur medialen Berichterstattung. Die Medien suchen derzeit einerseits nach beispielgebenden Storys und andererseits auch nach den ungewöhnlichen Geschichten. Schon jetzt gibt es Beispiele wie es funktionieren kann, wie etwa der oberösterreichische Gastronom Lukas Kienbauer beweist, der Kündigungen für die Mitarbeiter in seinen zwei Restaurants vorerst ausgeschlossen hat.

Österreichweit berichten die Medien, auf Social Media geht die Story viral. Der Werbewert für ihn und sein Unternehmen übersteigt die Mehrkosten durch die Nichtkündigung seiner Mitarbeiter wohl um ein Vielfaches. Wer jetzt denkt, dass der Wettbewerb durch die Krise ausgesetzt ist, der täuscht sich. Er wird nur an einem anderen Schauplatz ausgetragen.

Image: Amador Pech

Was gibt es zu gewinnen in diesem Wettbewerb?

Michael Pech: Es geht um das Wichtigste schlechthin, nämlich um Werte wie Vertrauen und auch um Sympathie. Um hier positiv nach außen strahlen zu können, braucht es Zweierlei: Auf der einen Seite ein gute Idee wie man mit der aktuellen Lage umgeht oder was man aus ihr macht und auf der anderen Seite das Erzählen dieser Geschichte, das inzwischen ja jeder über die sozialen Medien selbst machen kann.

Heinz Reitbauer kocht in seinem Zwei-Sterne-Restaurant für Einsatzkräfte (Falstaff berichtete) – diese Geschichte hat die Menschen in den vergangenen Tagen begeistert und berührt. In Graz stellt der Gastronom Philipp Dyczek einen Kühlschrank mit Essen zur freien Entnahme vor sein Restaurant »Artis«. Auch hier wieder: große mediale Berichterstattung und enormer Zuspruch in den sozialen Medien. Selbst kleine Gesten zeigen in diesen Zeiten große Wirkung. So baut man mit potenziellen zukünftigen Kunden und Gästen eine Beziehung auf. Diesen Umstand gilt es zu nutzen.

Wenn die Gäste in den kommenden Tagen und Wochen nicht in meinem Haus sind, wo sind sie dann und wie kann ich sie erreichen?

Wie können Gastronomen jetzt eine wirksame Strategie umsetzen – vor allem im Hinblick darauf, dass die Lage für die kommenden Wochen wohl weiter ungewiss bleiben wird?

Michael Pech: Hotels und Gastronomiebetriebe sind Orte, an denen viele Menschen zusammenkommen. Schon allein deshalb ist mein erster Rat, dass man die gesetzlichen Maßnahmen nicht nur einhaltet, sondern sogar übererfüllt. Damit nimmt man in der öffentlichen Wahrnehmung eine Art Vorbildwirkung ein.

Und dann soll sich jeder Unternehmer diese Frage stellen: Wenn die Gäste in den kommenden Tagen und Wochen nicht in meinem Haus sind, wo sind sie dann und wie kann ich sie erreichen? Hier geht es nur zweitrangig um mediale Kommunikation, sondern um die Beziehungspflege mit seinen Kunden. Verfügt man über ihre Daten – das können Mailadressen sein oder die Kontakte der Fans auf der Facebookseite – kann man zielgerichtet mit ihnen kommunizieren.

Gibt es Beispiele?

Michael Pech: Möglich ist vieles – von Rezeptvorschlägen für die Zeit zuhause bis hin zu Abfragen der Lieblingsgerichte samt Zustellservice. Die Branche verfügt durch ihren sensiblen Umgang mit Lebensmitteln zum Beispiel auch über ein breites Know-how zum Thema Hygiene – auch dieses Wissen ist derzeit gefragt und kann zur Verfügung gestellt werden. Oft sind es die einfachsten Maßnahmen, die die größte Wirkung erzielen.

Wie etwa diese ganz normale Frage: Gibt es irgendwas, lieber Gast, dass ich in diesen Zeiten für dich tun kann? Wer richtig kommuniziert, gewinnt einen entscheidenden Vorsprung. Vor allem in Krisen wie jetzt gilt: Eine gute Beziehung zeigt sich auch in schlechten Zeiten. Um das umzusetzen, ist die durch den Stillstand der Wirtschaft gewonnene freie Zeit nun nicht nur im Übermaß da, sondern vor allem auch reif dafür.

 

Image: Michael Pech

Zur Person

Mit seiner Kommunikations- und PR-Agentur »Dreams Happen« arbeitet Michael Pech für Kunden wie den Drei-Sterne-Koch Juan Amador oder auch für Österreichs größten Erzeuger, Verpacker und Vermarkter von Biogemüse, Christian Stadler. Pech ist auch als Autor tätig, u.a. für den Falstaff-Verlag.

www.dreamshappen.at

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