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Algen – die Antwort auf alles

Von: Lesezeit: 3 Minuten
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«Das Superfood aus dem Ozean ist nicht nur super gesund, mit ihm lassen sich auch die globalen Ernährungs- und Umweltprobleme lösen.» Das sagt der junge irische Meeresbiologe Paul O’Connor. In seinem Startup «This is Seaweed» forscht er nach Möglichkeiten, das würzige Meeresgemüse auf die Teller zu bringen.

Die Liebe zum Meer entdeckte Paul O’Connor in den langen Sommerferien seiner Kindheit, in denen er an der irischen Atlantikküste schnorcheln lernte. Später arbeitete er als Tauchlehrer in Indonesien, Malaysia, auf den Honduras und in Belize. In der ersten Woche seines Studiums der Meereswissenschaften an der Universität Galway kostete er auf einer Strandexkursion «pepper dulse», eine Rotalgenart: «Ich hatte schon vorher Algen gegessen, aber das änderte alles. Es war irre, wenn man einen starken Geschmack wie Trüffel mag. Und es schmeckt tatsächlich nach Pfeffer. Warum müssen wir Pfeffer importieren, wenn wir das selbst im Ozean haben?» Nach einem Masterstudium in Plymouth und einem Doktorat am Royal Institute for Sea Research in den Niederlanden kehrte Paul nach Irland zurück und gründete 2015 «This is Seaweed», ein Unternehmen, das bisher fünf der fünfhundert verschiedenen, in irischen Gewässern vorkommenden Algenarten vermarktet. Diese werden an den Stränden von Galway und Donegal gesammelt und dann getrocknet. «Wir entziehen nur das H2O», so O’Connor. «Mineralien, Vitamine, Enzyme bleiben erhalten.» Seine Algen sind vollkommen organisch und zertifiziert, das heißt, sie lassen sich bis auf die Tide, in der sie gesammelt wurden, zurückverfolgen.

algen zum essen für Gastro

Image: Paul O’Connor

Bei Veganern und Köchen im Trend

Die größten Algen-Enthusiasten sind Vegetarier und Veganer. «Rotalgen», erklärt O’Connor, «haben Vitamin B6 und B12, was Veganern oft fehlt. Statt Tabletten zu schlucken, essen sie lieber Algen.» Er sieht sich auch als Vermittler: «Algen sind für viele neu, die Leute müssen überzeugt werden. Gottseidank bin ich leidenschaftlich daran interessiert, und es macht mir Spaß, die Reaktionen zu sehen. Sehr oft heißt es dann: ‘Das ist wirklich viel besser, als ich dachte.’» Deutschland und die Niederlande sind derzeit die größten Märkte für O’Connor. Achtzig Prozent seiner Algen liefert er an Lebensmittelhersteller, die diese als Zutaten in ihren eigenen Erzeugnissen verwenden. Auch irischen Spitzenchefs haben «This is Seaweed» entdeckt. Die international bekannte TV-Köchin und Gastro-Kritikerin Clodagh McKenna etwa verwendet Pauls Meeres-Spaghetti, eine Braunalge, in einem Karotten- und Ingwersalat. Der vielfach preisgekrönte Niall Hill von «The Butler’s Pantry», dem edlen irischen Feinkostladen, gehört ebenso zur Algen-Fangemeinde wie Maurice McGeehan, der als nationaler Beirat zu den Förderern der irischen Kochkunst gehört.

Eigene Zucht gestartet

«This is Seaweed» entwickelt auch Produkte für den Einzelhandel, die in Bioläden, gewissen Supermärkten oder online gekauft werden können. Neu im Sortiment sind Risotto-Mischungen mit Kelp und sonnengetrockneten Tomaten oder mit Riementang und Steinpilzen. «Oft wissen die Leute nicht, wie sie mit Algen kochen können. Meine Aufgabe ist es, ihnen zu helfen.» Als Blätter oder Flocken in Suppen, Saucen und Salate gemischt, in Gemüsepfannen oder über Pizzas gestreut, liefern Algen nicht nur wesentliche Nährstoffe, sondern auch Würze: Umami – Köstlichkeit auf Japanisch. Diesen Herbst startet Paul O’Connor eine eigene Algenzucht, ein Pilotprojekt, in dem Flügeltang, Alaria esculenta, angebaut wird. Der Tang enthält das im asiatischen Raum schon einige Zeit bekannte Fucoidan, das neben krebshemmenden Effekten auch Anti-Aging-Eigenschaften hat. Wilde Algen können Spuren von Meerstieren enthalten. «Woran wir jetzt arbeiten», erklärt O’Connor, «ist die Züchtung eines allergenfreien Produktes.» Dafür erhält er Unterstützung von der irischen Agentur für die Entwicklung von Fischerei und Meeresfrüchten.

algen zum essen für Gastro

Image: This is Seaweed

Gesund für Körper und den Planeten

Algen regulieren den Metabolismus, reinigen das Blut, beruhigen die Verdauung, erhöhen den Dopamin-Spiegel, stärken das Immunsystem. Sie sind super gesund für uns und auch für den Planeten. «Sieht man die Zerstörung der Landschaft, könnte man wütend werden», meint O’Connor. «Meine Landschaft ist unter Wasser, und ich würde sagen: Algen sind das umweltfreundlichste Protein, das es auf der Welt gibt.» Sie sind leicht erneuerbar, können das ganze Jahr über und in jeder marinen Umwelt geerntet werden. Um sie anzubauen, müssen keine Wälder abgeholzt werden, es braucht kein Land, kein Süßwasser, kein Dünger, keine Pestizide. Wasserqualität, Nährstoffgehalt, Temperatur und das Fehlen von Industrie machen die Westküste von Irland nach Paul O’Connor zum weltweit besten Gewässer für Algenwachstum. «Der Mensch braucht täglich 0,75 Gramm Protein pro Kilo Körpergewicht. Wenn wir auch nur zwei Prozent des Ozeans mit Meeresalgen anbauen, hätten wir genügend Protein, um den ganzen Planeten zu ernähren.»

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