Ihr Browser ist veraltet. Es kann sein, dass nicht alle Funktionen dieser Websites angezeigt werden. Wir empfehlen, einen dieser Browser oder Versionen zu verwenden Mozila Firefox oder Google Chrome

Connect
To Top

Karime Lopez – die Zukunft der Gastronomie sollte weiblicher sein!

Von: Lesezeit: 5 Minuten
NĂ€chster Artikel Was sind eigentlich Goa-Bohnen?

Aus eigener Kraft von Null auf Hundert – zur hochdekorierten KĂŒchenchefin von Massimo Botturas Gucci Osteria. Es gibt derzeit wohl kaum eine spektakulĂ€rere Erfolgsstory zu erzĂ€hlen als jene der Mexikanerin Karime Lopez. Was aber steckt hinter ihrem raketenhaften Aufstieg und was macht sie zur Gamechangerin?

Ich lernte in meiner Kindheit jedes Detail in der KĂŒche genau zu erfassen.Karime Lopez ĂŒber eine Kindheit, die ihr heute noch als Basis dient

Karime Lopez im Kurzprofil
In Mexiko geboren, ging Karime Lopez mit 18 Jahren nach Paris, um Kunst zu studieren. Dort stellte sie fest, dass die Kulinarik die wohl faszinierendste aller Kunstrichtungen ist – und entschied sich prompt, ­Köchin zu werden. Nach ihrer Ausbildung im spanischen Sevilla arbeitete Lopez in den besten Restaurants der Welt. 2018 wurde sie KĂŒchenchefin der Gucci Osteria, einem Gemeinschaftsprojekt zwischen Massimo Bottura und dem italienischen Modeunternehmen Gucci. 2019 erhielt sie fĂŒr ihre KĂŒche einen Michelin-Stern und viele weitere Auszeichnungen.

Es sind ihre wachen Augen, die einem sofort auffallen. Wissbegierig fokussieren diese im GesprĂ€ch das GegenĂŒber, als wollten sie hinter dessen Fassade blicken. Aus ehrlicher Neugierde. Und so kommt es, dass man mit Karime Lopez nur wenige Worte gewechselt haben muss, um sie in Erinnerung zu behalten. Und um zu wissen, dass von dieser kleinen SĂŒdamerikanerin wahrlich Großes zu erwarten ist.

Besonders frĂŒh erkannt hat das jedoch einer, der selbst zu kulinarischen Heldentaten fĂ€hig ist: Takahiko Kondo, langjĂ€hriger Sous Chef in Massimo Bottura’s Drei­sterner Osteria Francescana im italienischen Modena. „HĂ€tten wir uns nicht getroffen, wĂ€re mein Leben gĂ€nzlich anders verlaufen“, sagt Karime Lopez heute. Ein Satz, der sich auf weit mehr als bloß ihre seither spektakulĂ€r verlaufene Karriere bezieht: Seit der ersten Begegnung der beiden – im Zuge eines Koch-Happenings in New York – sind acht Jahre vergangen.

Wegweisend fĂŒr Karime, ihr Mann Takahiko Kondo

Karime und ihr Mann Takahiko | Image: Gucci Osteria

Heute sind Karime Lopez und Takahiko verheiratet. Haben eine Tochter. Wohnen in Florenz. Und Karime Lopez ist als KĂŒchenchefin von Massimo Botturas Gucci Osteria eine der aktuell schillerndsten Köchinnen der Welt. 2019 etwa war sie Italiens Female Chef of the Year, 2020 holte sie als erste mexikanische Frau ĂŒberhaupt einen Michelin-Stern, und in Mexiko ist sie mittlerweile eine allgegenwĂ€rtige KĂŒchen-Ikone. Wenn man also die Redewendung „Liebe geht durch den Magen“ neu definiert haben möchte – dies wĂ€re der beste Anlass dafĂŒr. Selten hat das Zusammenspiel aus Liebe und höchster kulinarischer Handwerkskunst so viele andere Menschen glĂŒcklich gemacht, wie das dieser beiden Menschen.

Und alles fÀngt in ihrer Kindheit an

Doch es bedarf freilich weit mehr als zwischenmenschlicher Zuneigung, um einen derartigen Sprint an die Weltspitze, wie es Karime Lopez getan hat, hinzulegen. So wundert es kaum, dass die ersten Zutaten ihres offensichtlichen Erfolgsrezepts in ihrer Kindheit zu finden sind. Schon als junges MĂ€dchen stand sie stets in der KĂŒche ihrer Mutter in Mexiko, um mit ihren neugierigen Augen jeden Handgriff zu erfassen und verstehen zu lernen. Sie half ihr bald beim Zubereiten der Familienmahlzeiten. Lernte, wĂ€hlerisch bei den Zutaten zu sein. Und dass man auf den lokalen MĂ€rkten alles bekam, um köstliche Kostbarkeiten auf den Tisch zu zaubern. So wirkt es im RĂŒckspiegel betrachtet nahezu logisch, dass Karime gleich nach der Schule mit zarten 18 Jahren auszog, um die kulinarische Hauptstadt unseres Planeten zu erobern – sie ging nach Paris. Allerdings vorerst nicht, um ihre KochkĂŒnste zu perfektionieren, sondern vielmehr um an der Sorbonne Kunst zu studieren.

Schon immer von Kunst fasziniert, ist Kochen fĂŒr Karime die schönste Art von Kunst

Image: Gucci Osteria

Malen, Zeichnen, die BeschĂ€ftigung mit Formen und Farben – viel Genaueres darĂŒber, was sie in ihrem Leben machen wollte, wusste die gebĂŒrtige Mexikanerin damals nĂ€mlich gar nicht. „Ich wohnte in der NĂ€he einer Boulangerie, an der ich immer auf dem Weg zur Uni vorbeiging und stehenblieb. Die Schaufenster mit den unterschiedlichsten PĂątisserien faszinierten mich unheimlich. Das waren Bilder, die ich aus Mexiko so einfach nicht kannte. All diese kleinen Kunstwerke gingen mir nicht mehr aus dem Kopf.“

Die Faszination fĂŒr Kunst hat meinen Blick geschĂ€rft.Karime Lopez

Kochen – fĂŒr Karime Lopez die schönste Kunstform

Das waren wohl jene Tage, in denen sich die ersten beiden Bausteine ihrer Karriere fanden: Die Faszination fĂŒr Kunst hatte sie an einen Punkt gefĂŒhrt, an dem sie dank des von ihrer Mutter vermittelten Basiswissens verstand, dass das Handwerk des Kochens die fĂŒr sie schönste Kunstform ist. Und so fĂŒhrte sie ihr Lebensweg wieder weiter – wieder weg von Paris: „Ich wollte so tief wie möglich in die Kochmaterie eintauchen, das war nur in meiner Muttersprache möglich“, erinnert sie sich. Drei Jahre lang lernte sie das Einmaleins der gehobenen Kulinarik – im spanischen ­ Sevilla. Und begann im Anschluss gleich an einer der prestigetrĂ€chtigsten Adressen Spaniens: dem Dreisterner El RacĂł de Can Fabes des spanischen Großmeisters Santi Santamaria. FĂŒr Lopez war das gleichsam eine harte wie auch gut investierte Zeit. Die Hierarchie, der harsche Umgangston, die kompromisslose Detailverliebtheit des Chefs. „Es war eine neue Welt fĂŒr mich“, sagt Lopez. „Das machte diese Zeit auch so schwierig.“ Und doch: RĂŒckblickend betrachtet findet Lopez, ist sie nie so sehr ĂŒber sich selbst hinausgewachsen wie damals.

Was mir diese harte Erfahrung als Mensch gegeben hat, was sie in mir entfacht hat, ist unbezahlbar.Karime Lopez
Karime Lopez arbeitete bereits in den berĂŒhmtesten Restaurants der Welt

Image: ChefAlps | Nadine Kaegi

Kein Wunder, dass sich die damals 25-JĂ€hrige nach dieser Feuertaufe alles zutraute: Sie arbeitete in den besten Restaurants der Welt. Dem Mugaritz, dem Pujol, dem Noma, dem Nihonryori RyuGin. Und im Central. Fast sechs Jahre lang prĂ€gte Lopez die KĂŒche des wohl berĂŒhmtesten lateinamerikanischen Restaurants mit. An der Seite von Virgilio MartĂ­nez begab sie sich auf die Suche nach lĂ€ngst vergessenen Lebensmitteln im ­peruanischen Hinterland. Von Arapaima, einem SĂŒĂŸwasserfisch aus dem Amazonas, ĂŒber die Arracacha-Wurzelknolle aus den Anden bis hin zur essbaren Cyanobakterie namens Kushuru im feuchten Hochland wurde aus der handwerklich so versierten Spitzenköchin auch noch eine Forscherin, die indigene Geschmackskulturen wieder zum Leben erweckte. Das war die Zeit, in der sie schließlich auf Massimo Botturas Sous Chef, den sie heute liebevoll Kondo nennt, traf. Eine Begegnung, die zum vorlĂ€ufigen Schlussstein ihrer kulinarischen Weltreise werden sollte.

Vorspeise von Karime Lopez, einer der besten weiblichen Köche weltweit

Image: Gucci Osteria

Ein Buch, das alles verÀndert

Das kam dann so: Nach ihrer Hochzeit mit Kondo beschloss Lopez im Jahr 2017, sesshaft zu werden. Sie zog zu ihrem Mann nach Modena. Genoss das italienische LebensgefĂŒhl und hatte plötzlich Massimo Botturas Angebot auf dem Tisch, mit ihm gemeinsam das Kochbuch „Bread is Gold“ zu schreiben. Kurzfassung davon: Bottura war von ihrer Arbeit dermaßen beeindruckt, dass er ihr anbot, KĂŒchenchefin seines neuesten Projektes zu werden: der Gucci Osteria in Florenz.

Ein traumhaft schönes Restaurant, die Gucci Osteria in Florenz

Image: Gucci Osteria

Wir Frauen mĂŒssen uns verschwestern und unterstĂŒtzen!Karime Lopez versteht ihre Rolle als Vorreiterin in eine weiblichere Zukunft

Frau- und Muttersein als Trumpfkarten

Es ist eine knallbunte und verdammt schicke Welt, die man betritt, wenn man heute durch die TĂŒr in die Gucci Osteria tritt. Klar, wo Gucci draufsteht, muss auch Gucci drinnen sein. Allein davon hĂ€tte sich wohl so mancher von Lopez’ Fachkollegen schon einschĂŒchtern lassen. Nicht so die toughe Mexikanerin. Sie packte die Chance beim Schopf, kreierte nicht nur ihre eigenen, filigranen Gerichte, sondern verpasste diesen wiederum jeweils eine Story. Selbst sagt sie: „Ich lasse mich von den Geschichten inspirieren, die mir die Menschen erzĂ€hlen, von den Farben, die ich jeden Tag sehe, und von dem Schmelztiegel der Kulturen und Erfahrungen, den jeder Einzelne tĂ€glich entdeckt.“ Es ist also wieder einmal ihr analytischer und scharfer Blick, die Gabe der Beobachtung, die das Tun der Karime Lopez leitet und lenkt.

Eine knallbunte, verdammt schicke Welt, die man betritt, wenn man den Innenraum der Gucci Osteria betritt.

Image: Gucci Osteria

Die weibliche Zukunft der Gastronomie

Und das offenbar so prĂ€zise, dass sie unter der Hand bereits als „World’s Best Female Chef“ in spe gehandelt wird. Eine Auszeichnung, die sie mit gemischten GefĂŒhlen entgegennehmen wĂŒrde. Denn auch wenn ihr Hauptaugenmerk auf ihren Gerichten und deren Geschichten liegt, blickt die 39-JĂ€hrige sehr wohl ĂŒber den Tellerrand. Und versteht sich als weibliches Role Model in einer von MĂ€nnern dominierten Kochwelt. Sie sagt: „Wir Frauen mĂŒssen uns verschwestern und uns stets gegenseitig unterstĂŒtzen!“

Karime Lopez, Chefköchin der Gucci Osteria in Florenz auf der BĂŒhne der ChefAlps

Image: ChefAlps | Nadine Kaegi

Selbst das bedeutet fĂŒr sie, dass in ihrer Crew Gleichberechtigung das Credo ist, ihr Leben als Mutter kein Widerspruch zur Rolle der KĂŒchenchefin darstellt – und in ihrer KĂŒche eine neue Form des Miteinanders gelebt wird. Ruhig und bedĂ€chtig geht man hier ans Werk, nicht laut und testosteron-geschwĂ€ngert. Wie gut dieser neue Weg funktioniert, schmecken ihre GĂ€ste jeden Tag aufs Neue. Wohin er fĂŒr diese außergewöhnliche Gamechangerin noch fĂŒhren mag? Das steht wohl in den (Michelin-)Sternen.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

More in Food People