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Die Meeresretter

Von: Lesezeit: 5 Minuten
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Fleischersatz ist in aller Munde, aber wie sieht es mit Fischersatz aus? Eigentlich naheliegend, denn die Überfischung der Weltmeere ist nicht erst seit gestern ein Thema. Das findet zumindest Julian Hallet, Co-Founder von Happy Oceans Food, der gemeinsam mit seinem Team demnächst die erste pflanzenbasierte Garnele auf den Markt bringen wird.

Julian, schön, dass du die Zeit für uns gefunden hast. Fangen wir doch gleich an: Seit wann gibt es Happy Ocean Foods?

Die Idee zu Happy Ocean Foods entstand im Oktober 2019; gegründet haben wir aber erst im Mai 2020.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, 100 % pflanzliche Garnelen zu produzieren?

Der auslösende Moment kam während meiner Weltreise im letzten Jahr. Da habe ich hautnah erlebt, wie groß die Unterschiede verschiedener Kulturen und Länder in Hinblick auf Ernährung, Nachhaltigkeit und Abfallmanagement sind. Bei meinem Interesse für nachhaltige und gesunde Ernährung hat das natürlich meinen Nerv getroffen. Und als leidenschaftlicher Surfer und Taucher liebe ich die Natur und das Meer. Da liegt eine pflanzenbasierte Garnele schon nahe. Um die Lebensmittelbranche und ihre Herausforderungen zu verstehen, habe ich sehr viel gelesen. Zum Beispiel über die Zukunft der Ernährung. Im Laufe der Zeit wurde es für mich dann immer klarer, dass die Industrie eine nachhaltige Alternative zu Fisch und Meeresfrüchten braucht.

Julian Hallet Happy Oceans founder veganer Fisch und Garnele

Co-Gründer Julian / Image: Alina Nachtmann

Habt ihr schon immer im Bereich Food gearbeitet oder wo liegen eure Wurzeln?

Nach meinem Studium International Management war ich zuerst für ein Modeunternehmen tätig, habe jedoch relativ schnell festgestellt, dass meine Leidenschaft Food & Health gilt. Daher bin ich zu einem Start-up für Gesunde Ernährung und Fitness gewechselt, wo ich als Key Account & Marketing Manager tätig war. Da habe ich meinen Mitgründer Robin kennengelernt. Wir haben schnell gemerkt, dass uns die Leidenschaft für gutes Essen, der Sport und unser ausgeprägtes Interesse für Ernährung sowie einen gesunden Lebensstil verbindet. Außerdem wollten wir immer etwas aufbauen, an das wir wirklich glauben und das einen tieferen Sinn hat. Als begeisterte Surfer und Naturliebhaber haben wir uns entschlossen, eine Marke ins Leben zu rufen, die dazu beiträgt unsere Meere zu schützen.

Wie viel Zeit habt ihr für die Entwicklung benötigt? Ist die abgeschlossen oder seht ihr weiteres Verbesserungspotenzial?

In die Entwicklung sind bisher ca. 11 Monate geflossen. Wir mussten immer wieder Änderungen an unseren Prototypen vornehmen, um Aussehen, Geschmack und Konsistenz zu optimieren. Mittlerweile können wir behaupten, dass wir sehr zufrieden mit dem Produkt sind. Jetzt feilen wir noch ein bisschen an Konsistenz und Geschmack und werden die Größe der Garnele verändern. Das ist jetzt der Feinschliff.

Sind andere Produkte geplant?

Ja, es sind noch weitere Produkte geplant. Der Fisch- und Meeresfrüchte-Markt bietet zahlreiche Produkte, die man mit pflanzenbasierten Produkten ersetzen kann. Das nächste Produkt steht noch nicht final fest, aber es wird sich dabei vermutlich um Lachs oder Thunfisch handeln.

Ihr seid ein klassisches Start-up. Wie war denn die Bereitschaft, euch und eure Idee finanziell zu unterstützen?

In den ersten Monaten haben wir uns durch privates Kapital finanziert, werden mittlerweile durch das EXIST-Gründerstipendium gefördert. Zudem haben wir einige Preisgelder bei Wettbewerben erhalten. Bisher wurden wir mit ca. 150.000 € unterstützt, ohne dafür Anteile abzugeben oder einen Kredit aufzunehmen. Momentan finden Gespräche mit potenziellen Investoren statt und wir stehen kurz vor unserer Pre-Seed Finanzierung.

Oder schon ein Übernahmeangebot von Unilever, Nestlé oder Monsanto bekommen?

Für so ein Angebot sind wir deutlich zu klein und haben noch keine relevanten Umsätze vorzuweisen. (lacht) Kann aber ja noch kommen.

Beyond meat ist ja das Thema im Moment im Food Markt. Wie schätzt ihr denn im Vergleich dazu den beyond fish Markt ein?

Der beyond fish Markt ist derzeit im direkten Vergleich zum beyond meat Markt sehr klein (ca. ein Hundertstel), weswegen der Markt für pflanzenbasierte Fischprodukte riesiges Potenzial bietet und eine wesentliche Marktlücke darstellt. Während etwa der US-Markt für plant-based Meat 2019 einen Umsatz von 940 Millionen Euro generieren konnte, belief sich der Markt für plant-based fish auf lediglich 9,5 Millionen Euro.

Entwicklungen sind selten geradlinig. Welche Umwege und Hürden musstet ihr nehmen?

Da die Idee auf meiner Weltreise entstanden ist, mussten wir das Unternehmen in den ersten 6 Monaten remote inkl. Zeitverschiebungen aufbauen. Das war herausfordernder als es gemeinsam vor Ort zu machen. Zudem ist die Entwicklung eines überzeugenden Produkts mit ausgezeichnetem Geschmackserlebnis, das auch noch gesund ist, eine Herausforderung. In der Produktentwicklung haben wir zahlreiche Experimente durchgeführt, etliche Iterationsschleifen gedreht und Kundenfeedback über Verkostungen eingesammelt, um ein Ergebnis mit Wow-Effekt zu erzielen.

Beyond Fish / Veganer Fisch von Happy Oceans Food

Image: Larissa Wittmann

Viele Fleisch-Ersatzprodukte sehen sich mit dem Vorwurf konfrontiert, zu viele künstliche/chemische Bestandteile zu haben. Wie sieht es denn bei Happy Ocean aus?

Unsere Garnele besteht fast ausschließlich aus natürlichen Zutaten (hauptsächlich Algen und pflanzlichen Proteinen) ohne künstliche Zusätze wie E-Stoffe, Haltbarkeitsmacher, Farbstoffe oder künstliche Aromen. Uns war es wichtig, ein Produkt zu entwickeln, das wir bedenkenlos empfehlen können und auch selbst essen würden.

Wo produziert ihr bzw. werdet produzieren?

Derzeit sind wir noch in einer kleinen Produktionsstätte der Hochschule Weihenstephan in Freising. Wir stehen aber mit einigen Produzenten im Austausch, um eine skalierbare und automatisierte Produktion aufzubauen. Ab Januar nächsten Jahres soll die einsatzbereit sein.

Wo kommen die Rohstoffe her? Sind die aus biologischem Anbau?

Gute, nachhaltige Qualität ist uns wichtig und zählt daher auch bei der Produzentenauswahl, da dieser den Rohstoffeinkauf zukünftig für uns übernehmen soll. Dabei möchten wir so viele Rohstoffe wie möglich aus regionalem und biologischem Anbau beziehen. Das zählt schließlich zu unseren Produktkernwerten.

Auf eurer Webseite sieht man ein kleines Video mit Kundenstimmen von einer Verkostung. Aber auf jedem Teller liegt nur eine Garnele. Wie viele Tonnen/Kilogramm könnt ihr denn im Moment im Monat produzieren?

Da die Produktion derzeit noch händisch erfolgt, stellen Personal und Garnelenformen die natürliche Grenze dar. Wenn wir die vorhandene Kapazität ausschöpfen würden, könnten wir sicherlich eine halbe Tonne monatlich produzieren. Allerdings wäre das nicht sonderlich wirtschaftlich und wir haben auch nur begrenzte Kühlkapazitäten.

plant based shrimp vegan

Image: Anke Sommer RATIONAL AG

Bis jetzt gibt es Ihre Garnelen exklusiv in einem Restaurant München. Ist nur die Produktion für Restaurants geplant oder kann ich auch irgendwann im Supermarkt zugreifen?

Wir planen fest damit, unsere Garnelen in 6 bis 8 Monaten im LEH anbieten zu können. Vorher soll die Marke mit einem Proof of Concept gefestigt werden, indem wir über Restaurantketten verkaufen.

Für welche Zielgruppe planet ihr?

Unsere Zielgruppe besteht primär aus LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) sowie Flexitariern. LOHAS bezeichnet einen Konsumententyp, der einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil führt, der Verantwortung für soziale und ökologische Lebensbedingungen übernimmt, ohne dabei verzichten zu müssen. Sie folgen einem ausgeglichenen Ernährungsstil und sind als Early Adopter stets auf der Suche nach innovativen und wohlschmeckenden Alternativen zu tierischen Produkten. Darüber hinaus stellen Veganer und Vegetarier natürlich auch eine relevante Zielgruppe für uns dar.

Gibt es es schon weitere Vertriebspartner? Wann ist denn der große Roll-out geplant?

An dieser Stelle möchten wir noch nicht zu viel verraten, stehen jedoch bereits im Austausch mit potenziellen Vertriebspartner.

Wie schätzt ihr die allgemeine Versorgung mit Lebensmitteln ein? Können eure Garnelen zum alternativen Proteinlieferanten werden oder geht es nur darum, dem Gourmet eine Alternative zum Original zu bieten?

Unsere Happy Ocean Garnelen sollen einen möglichst großen Impact schaffen. Um das zu erreichen, müssen wir den Massenmarkt ansprechen und Fischesser überzeugen. Das können wir nur durch ein gutes Geschmackserlebnis und ähnliche Nährwerte erreichen und bieten mit 6 g Protein sowie einem Gramm Omega-3-Fettsäuren (auf 100 g) eine exzellente Alternative mit wertvollen Nährstoffen.

Was kostet ein Kilo Garnelen aktuell und welchen Preis strebt ihr in Zukunft an?

Ein Kilo Garnelen kostet für Großkunden aus der Gastronomie derzeit 19,99 € im Einkauf. Dieser Preis ist allerdings noch nicht final, da wir die Produktkostenkalkulation noch einmal überarbeiten müssen, sobald wir unseren Produktionspartner gefunden haben.

Julian, wir danken dir für dieses Gespräch und drücken die Daumen.

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