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Arbeiten in Bizkaia

Von: Lesezeit: 4 Minuten

Die Berge im Rücken, vorneweg den Atlantik: Dazwischen das Paradies für Gastronomie- und Produktfreaks. Das ist Arbeiten und Leben in Bizkaia. Inklusive der spannendsten Konzepte der Region und heißesten Karrieretipps für top-motivierte Expats.

Der Himmel auf Erden

Die spanische Provinz mit der schillernden Hauptstadt Bilbao ist eine der drei Provinzen der autonomen Region Baskenland in Spanien. Hier werden Gastronomie und Hotellerie nicht nur täglich gelebt, sondern vielmehr geliebt. Die Küstenregion bietet motivierten Expats zwischen bergen und Meer ein fulminantes Gastro-abenteuer und die Möglichkeiten, von herausragenden Küchenkapazundern zu lernen.

Gibt es den Himmel auf Erden wirklich? Das Paradies für Menschen, denen die Gastronomie durch die Adern fließt? Sodass die größte Freude, die man ihnen machen kann, ist, ihnen neue oder einfach nur superhochwertige Produkte zu zeigen, und vielleicht auch noch ein Restaurant, in dem sie so zubereitet werden, dass einem das Herz aufgeht?
Die Antwort ist: Ja. Und zwar im Nordosten Spaniens, dort, wo einem die Sierra Cantabria den Rücken freihält und der wilde Atlantik an die Küsten des Baskenland genannten Landstriches peitscht. Dazwischen – also dort, wo der Ozean aufhört und bevor die Bergkette beginnt, hinter der übrigens Rioja liegt – für alle, die schon immer in einem Top-Weingut von Remelluri bis Lopez de Herédia anheuern wollten – liegt Bizkaia. Die Region rund um ihre Hauptstadt Bilbao. Die sich von einer nicht besonders attraktiven Industriestadt seit den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts zu einer Metropole der Kultur und des Genusses gemausert hat.

Den Anfang machte die Eröffnung des Guggenheim Museums im Jahr 1997 und mit ihr kam der Beschluss der Stadt, mehr sein zu wollen als nur Industriestandort. Beziehungsweise zu zeigen, dass sie das schon lange ist. Nirgendwo anders auf diesem Erdball haben Genuss und Essen einen derart hohen Stellenwert wie im Baskenland. Sagen die Basken und spätestens nach der ersten Tour durch die Pintxo-Bars sagt man das selbst auch. Zu Beginn fragt man sich noch, wer denn diese Berge an Häppchen und Spießchen aus Guindilla, einer typisch baskischen Pfefferoniart, Bacalao, also Stockfisch, und Rohschinken, essen soll, unter der sich die Theken an jeder Ecke biegen. Schnell wird klar: Da bleibt nichts über. Hochwertige Produkte ganz einfach zubereitet – in ihrer Schlichtheit und Qualität derart bestechend, dass man nach dem ersten Pintxo bestimmt nicht aufhört. Gutes Essen ist Kultur. Und im Baskenland noch viel mehr.

Wo Essen heilig ist

Bald versteht man auch, warum dieser Landstrich die höchste Dichte an Sternelokalen weltweit aufweist. Ein bisschen sitzen sie schon wie die Maden im Speck diese Basken – zwischen Ozean mit frischem Fisch und Meeresfrüchten aus dem kalten Atlantik und einer Flora und Fauna im Hinterland, die durch den vielen Regen mit ausreichend Wasser versorgt ist. Das milde Winterklima tut sein Übriges, damit sich die berühmten Latxa-Schafe der Region, aus der der Ideazabal-Käse gewonnen wird, auch gebührend wohlfühlen. Dann schnell noch einen Bacalao im Ganzen auf den Grill gelegt und gekostet – die Spezialität im Restaurant Re Kondo (eine Institution in der Region) und der Wunsch, hier nie wieder wegzuwollen, ist erfolgreich gesät. Wer grillen lernen möchte, und zwar so dass es den Menschen der Liste der S. Pellegrino 50 Best Restaurants Platz zehn wert ist, der ist im Restaurant Etxebarri richtig. Hier hat Victor Arguinzoniz das Rustikale und Ursprüngliche der Region mit hoher Grillkunst kombiniert. Auf eine Art und Weise salontauglich gemacht, dass auch die größte New Yorker Stadtpflanze sich die Finger schleckend vom Platz erhebt.
Generell umgibt das Land, die Natur und die Menschen hier ein Zauber, der die Basken und ihre Gastronomie einzigartig macht. Derart verfahren in ihrer Kultur, stolz darauf und trotzdem weltoffen, sodass jeder Ankömmling sofort eingebunden wird. Beziehungsweise das typische Baskentüchlein umgebunden wird. Und schon schmaust man Txuleta – riesige Steaks – und trinkt Sidra dazu. Apfelwein, den man sich selbst aus dreimannshohen Eichenfässern zapft.
Gegensätze ziehen sich an und ergeben in ihrer Kombination eine Attraktivität, der kaum zu widerstehen ist. Im Baskenland: Rustikalität in Reinform – Steinwände, offene Grillstellen, Männerkochklubs, Sociedades, in die erst seit den 70er-Jahren Frauen überhaupt hineindürfen – und daneben Sternegastronomie, die zur besten weltweit zählt, sowie der bewusste und moderne Umgang mit Ressourcen. Die Basken wissen sehr wohl, was ihnen für ein Schatz in die Bucht von Bizcay gelegt wurde, und sie wissen ihn zu hüten.

Im Juni 2018 wurde das mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurant Azurmendi vom Gremium der 50 Best Restaurants als das nachhaltigste Restaurant weltweit ausgezeichnet. Für Executive Chef Eneko Atxa geht seit Anbeginn nichts ohne gelebte Harmonie. Und zwar in jeder Hinsicht. Zwischen Personal, das seine Fähigkeiten geschätzt und gefördert versteht, dem Kontakt nach außen mit Lieferanten, die beste Produkte liefern, aber immer mit dem Nachhaltigkeitsgedanken vorneweg, und nicht zuletzt dem Kontakt mit den Gästen, die im Azurmendi, einem Glaskubus zwischen Weingärten, gelebte lockere Gastlichkeit vorfinden. Nichts erinnert an steife uninspirierte Gastronomie, wie man sie auch in anderen Landstrichen immer seltener vorfindet.

Kultur, Kunst und Genuss – ein Dreigestirn, das keine Sakkos und Krawatten braucht. Auch keine Cocktailkleider oder gebügelte Tischtücher. Können und Top-Produkte. Das ist es, was es braucht. Das weiß man im Baskenland schon immer, hat man das Gefühl. Und inzwischen weiß es auch der Rest der Welt, dass diese Leute hier das schon immer wissen. Das gallische Dorf der Gastronomie, das endlich seine Pforten öffnet und keine Scheu zeigt, das Rezept des Geheimtranks mit jedem zu teilen, der sich dafür interessiert.

Wie man ein Museumsrestaurant bis zum Michelin-Stern führt? Dieses Geheimnis kann man sich bei Josean Alija im Guggenheim Museum anschauen. Sein Weg führte ihn über täglich mehr als 30 verschiedene Fonds – die anders als anderswo – bei Josean Alija die Hauptrolle am Teller einnehmen. Dazu reduziertes Ambiente aus hellem Holz. Mehr braucht es nicht. Nichts soll von dem, was auf dem Teller ist, ablenken. Oder im Glas. In Bizkaia selbst produzieren die Winzer einen frischen, säurebetonten Weißwein, Txakoli, der jede rustikale Jause aus Schinken, Idiezabal und Guindilla mit dem gewissen Twist versieht. Keine hundert Kilometer entfernt erstreckt sich die bekannteste Weinregion Spaniens, Rioja. Die nicht nur Top-Weine in die Welt hinausträgt, sondern auch Hotel- und Architekturbegeisterte anzieht. Diese wollen sich die der Sierra Cantabria nachempfundenen Wellen des Weinguts Ysios oder die violett-silberne Ode an den Wein von Stararchitekt Frank Gehry am Weingut Marques de Riscal nämlich nicht entgehen lassen. Und wie sollte es auch anders sein: Das Luxushotel ist ebenso Adresse eines Sternelokals. Natürlich. Baskenland eben.

 

Fakten:

Währung EUR
1-Zimmer-Apartment in Downtown 750 Euro
Einwohner Bilbao 345.150
Religion römisch-katholisch
Sprache Spanisch/Baskisch

 

Karrierechance

Heißes Pflaster

Diese Küste am Atlantik ist gesprenkelt mit Top-Restaurants, die Gastronomie tagtäglich neu definieren. Und im Hinterland wartet die bekannteste Weinregion Spaniens, Rioja, auf Weinfreaks und angehende Hoteliers.

 

Saison

Kultur kennt keine Zeit

Essen ist höchstes Kulturgut im Baskenland. Foodies pilgern das gesamte Jahr über in den Landstrich, wobei die Besucherzahlen im Sommer am höchsten sind.

 

Wohnungsmarkt

Wissen, was gut ist

Die liebe Wohnungssuche … Der Wermutstropfen in der Region. Das Baskenland zählt zu den reichsten Teilen des Landes. Das merkt man auch an den Wohnungspreisen.

 

Mentalität

Hart, aber herzlich

Sie wirken wie die Wikinger Spaniens. Vorerst verschlossen, doch taut ein Baske einmal auf, gibt es kein Halten mehr.

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